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Ivanschitz schießt das Sensationsteam an die Spitze – Da Silva rettet Borussia in allerletzter Minute …und jetzt: Mainz gegen Dortmund

Von Benjamin Kraus

Sie lassen nicht locker: die Mainzer mit Adam Szalai (links) und Lewis Holtby. Foto: HorstmüllerSie lassen nicht locker: die Mainzer mit Adam Szalai (links) und Lewis Holtby. Foto: Horstmüller

Leverkusen. Das ist nicht nur ein Karnevalsverein: Als beeindruckendes Kollektiv, das von Athletik lebt und daraus spielerische Qualität gewinnt, gewann Mainz 05 mit 1:0 bei Bayer Leverkusen. Garant dafür, dass die Fans wieder singen und lachen konnten, war die starke Bank und das gute Händchen von Thomas Tuchel, dem Trainer der Stunde.

Denn Andre Schürrle kam, sah und leitete den Sieg bei seinem künftigen Verein ein, bei dem er ab Sommer 2011 spielen wird: „Eine sensationelle Aktion von Sami Allagui, der mir den Ball super in die Gasse spielt. Dann seh ich Andy frei – der Rest war nicht schwer“, redete der 19-Jährige seinen Anteil am Siegtor klein. Andreas Ivanschitz versenkte seinen Querpass: In Co-Produktion schlugen die beiden zwei Minuten nach der Einwechslung zu.

Die Bank machte den Unterschied und Mainz wieder zum Tabellenführer. Denn die von Europapokal-Einsätzen und durch Ausfälle geschwächten Leverkusener dominierten nur die erste Viertelstunde. „Da haben wir zu wenig kompakt gestanden und zu ungeduldig gespielt“, kritisierte Tuchel.

Weil Bayer aber außer fünf Eckstößen nichts zustande brachte, eroberten sich die Mainzer die Hoheit und kauften den Leverkusenern durch starken Einsatz den Schneid ab. Bald wusste Bayer nicht mehr, wohin mit dem Ball: Etwa Michal Kadlec, der mit Adam Szalai den ersten herangrätschenden Mainzer versetzte, am zweiten (Sami Allaui) den Ball vorbeilegte, aber sich dann in Lewis Holtby schon dem Dritten gegenübersah – und den systematisch erzwungenen Ballverlust mit ratlosem Achselzucken kommentierte.

Ganz anders die 05er. „Wir versuchen, jeden eroberten Ball sofort in die Spitze zu spielen, wie wir es mit dem Trainer nun ein Jahr erarbeitet haben“, erklärte Außenverteidiger Niko Bungert. Schon Allaguis schneller Pass auf Marco Caligiuri hätte die Führung einleiten können. Ivanschitz, der es dann besser machte, sagte: „Der Trainer erklärt das gut in seiner analytischen Art und Weise.“ Kein böses Wort verlor er darüber, dass er zunächst auf der Bank saß. Genau wie Schürrle: „Am Ende hat der Coach ja wieder alles richtig gemacht.“ Sein Achselzucken wirkte ratlos wie bei Kadlec, aber das Leuchten in seinen Augen erinnerte ganz an Tuchel.

Die Unterordnung der Egos unter das Ziel des Kollektivs macht Mainz derzeit fast unschlagbar. „Natürlich wollen wir jetzt auch das Topspiel gegen Dortmund gewinnen“, sagte Tuchel. Warum auch nicht? Für Präsident Harald Strutz ist jedenfalls klar: „Wir stehen zu Recht oben. Das muss man einfach mal sagen.“