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"Beeilt euch, ich weiß nicht, wie lange ich lebe"

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Ein halbes Jahrhundert ist vergangenen, seit am 6. Dezember 1954 die Mariä-Himmelfahrts-Kirche in Eggermühlen geweiht wurde. Die Errichtung einer Kirche war notwendig geworden, nachdem der Bevölkerungszuwachs nach Ende des Weltkrieges die räumliche Kapazität der St.-Nikolaus-Kapelle des Gutes Eggermühlen buchstäblich sprengte.

Der Blick zurück: Froh über einen kürzeren Kirchweg waren die Bewohner der Bauerschaften Basum-Sussum, Besten, Krevinghausen, Bockraden, Döthen und Restrup, als Freiherr Clemens von Boeselager im Jahre 1869 auf dem Gutsgelände eine öffentliche Kapelle errichten ließ. Der lange und beschwerliche Fuß- oder Kutschweg zur Messfeier nach Ankum wurde dadurch erheblich abgekürzt.

Auf einer Grundfläche von etwa 100 Quadratmetern fanden hier etwa 200 Gläubige einen Sitzplatz inklusiv einiger Tribünenplätze auf der Empore. Säuberlich mit Nummern versehen, hatte jede Familie ihren eigenen Platz. Hilfsgeistliche aus Ankum feierten Gottesdienste.

Der Zuzug vieler Flüchtlinge nach Ende des Zweiten Weltkrieges brachte es mit sich, dass der Kapellenraum bei den Messfeiern stets überfüllt und eine Andacht nur mit Mühe möglich war. Gemeinsam mit dem Ankumer Pfarrer Hermann Böckmann sann Kaplan Otto Schepper auf Abhilfe und Verbesserung des Platzangebotes. Der Ankauf einer am Ankumer Vogelberg stehenden Baracke wurde in Betracht gezogen.

Auch bemühte man sich um den Erwerb einer Kapellenbaracke auf dem Flugplatz in Quakenbrück. Einer glücklichen Fügung war es zu verdanken, dass alle Kaufbemühungen fehlschlugen.

Der Bau eines massiven Gotteshauses wurde in Erwägung gezogen. Am 22. November 1947 konnte ein Kaufvertrag zwischen Mariaschnee Freifrau von Boeselager und Clemens Freiherr von Boeselager und dem Ankumer Pfarrer Böckmann sowie den beiden Kirchenvorstandsmitgliedern Johannes Meyer, Eggermühlen, und Hermann Busselmann, Bockraden, durch den Osnabrücker Anwalt Buller besiegelt werden.

Dem Vertrag zufolge wurde eine Fläche von einem Hektar im Bereich des Sternbusches für 3000 Deutsche Mark erstanden. Mit Hilfskräften aus der Gemeinde wurde die Fläche im Frühjahr 1948 gerodet, die Stubben an Flüchtlinge und Interessenten kostenlos abgegeben. Am 1. Dezember 1948 erfolgte die Vermessung. Während einer Bereisung seiner Bistumsgemeinden besuchte Bischof Dr. Berning am 30. Juni 1949 auch die Kapellengemeinde Eggermühlen und den Kirchenbauplatz und wandte sich mit einem flammenden Appell an die Bewohner. "Wenn ihr mit eifrigem Geist und unbeugsamen Willen ans Werk geht, wird der geplante Kirchenbau schnell erstehen" sagte Berning, "aber beeilt euch, ich weiß nicht, wie lange ich noch lebe, denn ich möchte dieses Kirche noch weihen! In fünf Jahren komme ich wieder."

Fast exakt fünf Jahre nach dem Bischofsbesuch empfing Eggermühlen Bischof Dr. Wilhelm Berning am 6. Dezember 1954 zur Einweihung der neuen Mariä-Himmelfahrts-Kirche.

Ein halbes Jahrhundert später zelebriert Weihbischof Theodor Kettmann in seiner Heimatgemeinde am Sonntag, 5. Dezember, ein Festhochamt. Erst Geld - dann bauen

Kirchenbau wurde aus "Bickbeersammelaktion" mitfinanziert

Die Worte des Bischofs bekräftigten die Bevölkerung in ihrem Ansinnen nach einem eigenen Gotteshaus. In einer Dorfversammlung zum Thema Kirchenbau am 24. Oktober 1949 wurde beschlossen, monatliche Haussammlungen durchzuführen. In allen Bauerschaften liefen Spendenaktion an, die peu a peu den Traum von einer eigenen Kirche in sichtbare Nähe rücken ließ. Mindestens fünfzig Prozent des mit 68.750,- veranschlagten Rohbaus wolle man gesammelt haben, ehe mit dem Bau des Gotteshauses begonnen wird. Nur so weit solle gebaut werden, wie Geld vorhanden sei. Kaplan Schepper wandte sich in Bittbriefen und Spendengesuchen nicht nur an ehemalige Kapellengemeindemitglieder. Auch bat er aus den umliegenden Bauerschaften stammende Ordensschwestern, sich mittels Sammlungen an der Finanzierung zu beteiligen.

Wie groß der Wunsch nach einer schnellen Errichtung des Gotteshauses war, zeigt das Ergebnis der ersten Haussammlung, die einen mit dem Betrag von 5.262 Mark einen ersten Grundstock für das Bauvorhaben brachte. Selbst die Kinder der Dorfschulen in Striekel und Bockraden trugen mit "Blaubeersammelaktionen" ihren bescheidenen Teil an dem Spendenaufkommen teil. Der Kirchenbote berichtete am 11. November 1949 über den Eggermühlener Sammeleinfall der Schüler. Selbst von Auswanderern in den USA wurden 440 Dollar zur Verfügung gestellt. Mit Materiallisten besuchten Mitglieder des Sammelausschusses in den folgenden Monaten die Bewohner der Region. Notiert wurde, wer Holz, Steine oder anderes Baumaterial stiften oder sich ehrenamtlich handwerklich am Kirchenbau beteiligen wolle. Erfolgreiche Sammlungen, die im Sommer 1950 auch im gesamten Kirchspiel Ankum durchgeführt wurden, ließen wenige Monate später erkennen, das dem Kirchenneubau nichts mehr im Wege steht.

In der Gaststätte Böhmann konstituierte sich am 6. Dezember 1950 einen Bauausschuß, dem neben Vertretern aus allen Bauerschaften der Gemeinde Maurermeister Wilhelm Kolde, Basum und die Zimmerermeister Gerhard Hömer, Bockraden und Hermann Schulte aus Besten angehörten.

Da Baumaterialien und auch Arbeitslöhne stark anzögen, kam man nach Anraten von Pastor Böckmann überein, das bereits gesammelte Geld in Material anzulegen, um den Preissteigerungen entgegenzuwirken.

100.000 Ziegelsteine aus Döthen

Bereits am 15. Dezember 1950 tagte der Bauausschuß unter Leitung von Kaplan Otto Schepper das erste Mal. Mit dem Architekten Franz Allerkamp aus Brakel wurde ein Planer mit dem Eggermühlener Kirchenbau betraut, der perfekt in den Sparhaushalt des Bauausschusses passte. Als einziger der drei in Frage kommenden Architekten erklärte sich Allerkamp bereit, nicht nur auf die Hälfte seines Honorars sondern außerdem auf sämtliche Reisekosten zu verzichten.

Der Bau stand nichts mehr im Wege. Nun konnten nach Plänen des Architekten die Baugenehmigung eingeholt werden. Der Grundfläche solle eine Größe von 13,5 x 35 Meter umfassen und etwa 300 bis 350 Personen Platz bieten. Der Kirchturm solle eine Höhe von 20 Metern aufweisen.

In Eigenleistung führte die Bevölkerung die Erdarbeiten durch. Viele Tonnen gesammelte Feldsteine bildeten ein sicheres und festes Kirchenfundament. Mit der Ziegelei Döthen-Stottenhausen wurde ein Kaufabschluss über 100.000 Ziegelsteine getätigt, die erste Lieferung erfolgte bereits im Januar 1951.

Im Frühjahr 1952 waren die Bauarbeiten soweit gediehen, dass am 5. Mai 1952 der Grundstein für das langersehnte Projekt gelegt werden konnte.

"Jung und alt aus den Gemeinden Eggermühlen, Basum-Sussum, Besten, Bockraden, Dötheun und Restrup umstanden an diesem denkwürdigem Tage den Bauplatz mit den Grundmauern, flankiert von Kirchenfahnen- und Bannern als Pfarrer Hermann Böckmann aus Ankum im Beisein von Kaplan Otto Schepper, Eggermühlen, die feierliche Handlung vornahm und den Segen Gottes für den Weiterbau der Kirche erbat", schreibt der Chronist des "Tageblatt für den Kreis Bersenbrück" am 6. Mai 1952.

Gut zwei weitere Jahre sollten vergehen und fast exakt fünf Jahre nach dem Bischofsbesuch im Jahre 1949 empfing Eggermühlen Bischof Dr. Wilhelm Berning am 6. Dezember 1954 zur Einweihung der neuen Mariä-Himmelfahrts-Kirche. Die Einweihungsfeier wurde zum Meilenstein in der jungen Kirchengeschichte Eggermühlen. In der Tageszeitung vom 7. Dezember 1954 schreibt der Chronist:

"Aufrecht und freundlich lächeln schritt Erzbischof Dr. Wilhelm Berning bei Glockengeläut durch das Spalier der Gläubigen und wurde am Portal der Kirche von den Geistlichen des Dekanates empfangen. Nach Gebeten nahm der Bischof zuerst die Weihe des Äußeren der Kirche dann die des Innenraumes auf den Titel "Mariä Himmelfahrt" vor und zelebrierte, während die Sonne den anfangs trüben Dezembermorgen besiegte, ein feierliches Pontifikalamt."

Fast auf den Tag ein halbes Jahrhundert später feiert Weihbischof Theodor Kettmann in seiner Heimatgemeinde am 5. Dezember ein Festhochamt in Konzelebration mit den ehemaligen Priestern der Gemeinde.

Bildunterschriften:

Am 6. Dezember 1954 weihte Bischof Berning den Neubau der Mariä-Himmelfahrtskirche in Eggermühlen.

Das Gotteshaus am Tag der Einweihung

Innenraum der Mariä-Himmelfahrtskirche im Jahre 2004.

Repros und Fotos: Georg Geers


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