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Kromschröders sind selbstbewusst

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Von Verunsicherung oder gar Panik war gestern nach Bekanntwerden des Verkaufs der Ruhrgas Industries (RGI) an den Finanzinvestor CVC beim mittäglichen Schichtwechsel vor den Toren der Bürener RGI-Tochter Kromschröder nichts zu spüren.

"Ich hoffe doch, dass wir langfristig erhalten bleiben und ich bis zu meiner Rente hier arbeiten kann", sagte Ralf Hoge, der in der Prüfstelle beschäftigt ist. Gut 15 Jahre hat er noch bis dahin. So weit denkt Janine Langensiepen noch nicht. Sie wird bei Kromschröder zur Industriemechanikerin ausgebildet. Eine wirkliche Gefahr sieht sie für die Firma nicht.

Wie seine Kollegen wurde auch Rolf Utlaut aus Alt-Lotte, Ingenieur in der Fertigungsplanung, von der Verkaufsnachricht nicht überrascht. Die Entwicklung sei im Betrieb offen diskutiert worden. "Bei CVC handelt es sich nicht um eine Heuschrecke", ist er zuversichtlich. "Die wollen uns nicht gleich weiterverkaufen. Aber durch den hohen Preis wird der Druck zunehmen." In Mitarbeiterschulungen werde dafür aber schon viel getan.

Detlef Mogge aus Büren, der im Betriebsmittelbau beschäftigt ist, hat gemischte Gefühle. Häufig würden Betriebe zerschlagen. Bei der Ruhrgas habe man sich in einer sicheren Situation befunden. Wörtlich: "Man muss abwarten. Die wollen natürlich eine hohe Rendite sehen; aber wir sind gut aufgestellt."

Schon etwas nervöser zeigte sich Peter Hartung aus Wallenhorst, der im Segment Zerspanung Gaszähler arbeitet: "Aufkaufen, fit machen, abstoßen - so läuft das heute ja oft. Ich weiß nicht, ob das in unserem Fall auch so kommt." Auch für ihn steht fest, dass E.ON die RGI und gerade Kromschröder nicht wegen zu geringer Rendite verkauft, sondern weil die Industriesparte nicht in den reinen Energiekonzern passt.

Ein "mulmiges Gefühl" hat auch Gerhard Friedl, Pförtner bei Kromschröder. Der Bramscher sieht aber, dass dieses Gefühl stärker durch die aktuelle Kapitalismus-Debatte geschürt wird als durch die bisher bekannten Fakten im Betrieb. Auch er sieht den Käufer CVC nicht als Heuschrecke an und bleibt als Realist deshalb Optimist.

Dass es im Haus verhältnismäßig unaufgeregt zugeht, ist für Betriebsratschef Manfred Garwels auch Folge der vertrauensvollen Kooperation zwischen Vorstand und Belegschaft. Die Verkaufsabsichten von E.ON seien seit fast eineinhalb Jahren bekannt. Der Einfluss der Kromschröder-Akteure sei da zwar gering, aber über den Konzernbetriebsrat sei man immer gut informiert gewesen.

Über CVC denke er ebenso positiv wie das Gros der Kollegen. Kritik richte sich ausschließlich an E.ON, betont der Bürener. Und noch sei der Verkauf nicht fertig, da der Aufsichtsrat noch zustimmen müsse. "Wir fragen, warum E.ON nicht zwei, drei Prozent von dem Milliardenerlös für die Absicherung der betroffenen Betriebe bereitstellt. Für uns bei Kromschröder gilt das weniger. Wir sind schon fit für den Markt."


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