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Liefert die Ems bald Ökostrom?

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Josef Dennenmoser ist weite Wege und einen langen Atem gewohnt - seit 1993 baut und betreibt er in Süddeutschland kleine Wasserkraftanlagen. Nach 13 Jahren Vorlauf will er jetzt am Emswehr in Meppen-Versen Strom für rund 500 Haushalte produzieren.

Dennenmoser hat beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) einen Antrag zur Errichtung von drei Wasserradschnecken eingereicht. Zusätzlich will er einen neuen Fischpass bauen.

Der Maschinenbauingenieur lebt in Leutkirch im Allgäu - "auf Württembergischer Seite", wie er betont. Zur Wasserkraft kam der 44-Jährige Anfang der 1990er Jahre. "Im Mühlenbachtal, in dem ich lebe, gab es seit Generationen sieben Wassermühlen. Mich hat beeindruckt, dass sie Energie erzeugen, ohne dass auch nur irgendein Rohstoff dafür verbraucht werden müsste. Kein Öl, kein Gas, keine Kohle - nichts wird verbrannt."

Auch, aber nicht nur wegen des Klimawandels und der Notwendigkeit, fossile Rohstoffe und damit Kohlendioxid einzusparen, sei die Wasserkraft eine Option. "Selbst wer nicht glauben will, dass es den Klimawandel gibt: Öl oder Gas kann man nur einmal verbrennen, und irgendwann ist Schluss. Also braucht man Alternativen."

Dennenmoser beteiligte sich aus dieser Überzeugung heraus schon 1993 an einer ersten Wasserkraftanlage, verkaufte sie später und betreibt jetzt in Süddeutschland zwei andere Anlagen. Eine Dritte ist geplant.

An der Ems will Dennenmoser die 2,40 Meter Fallhöhe des Emswehres nutzen, indem er drei Wasserradschnecken einbaut. Sie ähneln Förderschnecken etwa für Getreide oder Holzpellets und werden vom herabstürzenden Wasser gedreht. Aus dieser Bewegung wird Energie gewonnen. Der Einbau einer Turbine statt der Schnecken hätte die Energieausbeute deutlich vergrößert, Turbinen sind aber wegen der von ihnen ausgehenden Gefahr für Fische umstritten.

Den zwar lange bekannten, aber bisher noch selten in der Wasserkraft eingesetzten Schnecken bescheinigen Experten hingegen, dass sie keinerlei Auswirkungen auf Fische und andere Wasserlebewesen hätten. Sie können demnach nicht eingeklemmt oder zerquetscht werden.

Für Dennenmoser ist das besonders wichtig - wegen der Fische, aber auch wegen möglicher Schwierigkeiten bei der Genehmigung. "In Hanekenfähr bei Lingen habe ich vor einem Jahrzehnt ebenfalls ein Wasserkraftwerk geplant", sagt der Ingenieur. Damals sei der Antrag eines Mitkonkurrenten bevorzugt worden, ohne das bis jetzt ein Wasserkraftwerk gebaut worden wäre. In Versen kann Dennenmoser durch jahrelange Vorplanungen und Kontakte zu entsprechenden Genehmigungsbehörden nach eigener Auffassung nun alle Auflagen erfüllen, die für eine ökologische und umweltfreundliche Stromerzeugung gelten. "Ich hoffe auf eine Genehmigung. Je nachdem wann sie erteilt wird, kann ich im Frühjahr 2008 oder 2009 mit dem Bau beginnen."

Bundesweit gibt es 7300 Kleinwasserkraftanlagen, im Emsland eine in Groß Hesepe an der Ems. Insgesamt deckt Wasserkraft 3,5 Prozent der deutschen Stromerzeugung, zumeist allerdings aus Großanlagen. Das Kraftwerk in Versen würde bei Realisierung etwa zwei Millionen Kilowattstunden Strom produzieren - ausreichend für 500 Haushalte. Die Stromabnahme ins öffentliche Netz ist durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz gesichert.


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