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Luftbilder im Vergleich Im Mai 2011 war die neue Schellenbergbrücke in Osnabrück ein halbes Jahr eher fertig als geplant

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Osnabrück. Wer sie mit dem Auto überquert, nimmt sie eher als Straße wahr und kaum als längste Brücke der Stadt. Die Schellenbergbrücke überspannt den Güterbahnhof, die Hase sowie die Gleise zwischen Amsterdam und Berlin. Und sie ist neu.

Seit Mai 2011 ist sie die Nachfolgerin des marode gewordenen Bauwerks von 1912. Abriss und Neubau gelten als logistische Meisterleistung. Obwohl wegen des Bahnverkehrs nur die Wochenenden zur Verfügung standen, wurde das Werk ein halbes Jahr eher fertig als geplant.

Die alte Schellenbergbrücke wurde vor 100 Jahren nach dem damaligen Baurat der Bahn benannt, die bis Mitte der 1990er-Jahre auch Eigentümerin war. Aufgrund des Eisenbahnkreuzungsgesetzes fiel die Brücke dann an die Stadt. Und gleichzeitig stellte sich heraus, dass sie baufällig war.

Schon die Begegnung zweier Lastwagen war beinahe zu viel für das verrostete Bauwerk – es war für die Stadt ein Geschenk, das sie teuer zu bezahlen hatte, doch wie Oberbürgermeister Boris Pistorius sagte: „Wir durften es nicht ablehnen.“ Ein Drittel der Gesamtkosten in Höhe von 10,5 Millionen Euro zahlte die Bahn.

Im Juli 2009 wurde die alte Schellenbergbrücke gesperrt. Bevor sie nach und nach verschwand, baute die Stadt eine provisorische Holzbrücke für Fußgänger. Zuschauer machten sie auch zur Tribüne für das Spektakel, das die Bauarbeiter knapp anderthalb Jahre boten. Schweißbrenner besprühten den Nachthimmel mit Funken. Zuschauer erlebten die Arbeiten als malerisches Ereignis. An Wochenenden arbeiteten stets 30 Leute von sechs Firmen in Schichten rund um die Uhr. Jeweils am Sonntagabend mussten sie ihre Arbeit beenden: Die Fahrdrähte und Schienen mussten für die Bahn wieder einsatzbereit sein. Wenn auch manchmal in letzter Minute: Letztlich hat doch alles wie am Schnürchen und ohne Unfall geklappt. 6000 Tonnen Beton und Stahl klaubten die Arbeiter zwischen Hase und Schienen heraus. Dabei half ein einer der größten Kräne Deutschlands.

Für die neue Brücke bauten die Arbeiter Pfeiler auf Fundamenten mit Dutzenden von Pfählen, die tief in die Erde ragen, und gossen die Brücke aus 4900 Kubikmeter Beton rund um das Stahlskelett. 95000 Arbeitsstunden kamen zusammen. Trotz zweier harter Winter und aufwendiger Maßarbeit zwischen den Gleisen ist die Brücke ein halbes Jahr eher fertig geworden als geplant. Bauleiter Lutz Vorreyer von der Stadt Osnabrück sagte rückblickend: „In einigen Situationen bin ich um Jahre gealtert.“ Als der Rohbau fertig war, durften seit kurz vor Weihnachten 2010 Fußgänger und Radfahrer die neue Brücke überqueren. Und im Mai 2011 gab es ein Fest: Für Autos und Lastwagen war nach 22 Monaten die Zeit der Umwege vorbei.


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