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Lingener Michaelkirche zum Baudenkmal erhoben

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Die katholische Michaelkirche im Lingener Stadtteil Reuschberge wird unter Schutz gestellt. Darauf haben sich jetzt das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und das Bischöfliche Generalvikariat geeinigt. Damit ist der vom Bistum erwogene Abriss der Filialkirche von St. Bonifatius zunächst abgewendet worden. ,,Die Entscheidung wird seitens des Generalvikariates ohne Vorbehalte mitgetragen", erklärte Denkmalpfleger Dr. Martin Wenz.

Der Konservator: ,,Auf Grund ihrer architektonischen Bedeutung, ihrem innovativen Innenraum, ihrer städtebaulichen Bedeutung und durch ihren hohen Identifikationswert stellt die Kirche ein Baudenkmal gemäß Niedersächsischem Denkmalschutzgesetz dar."

Nach seinen Feststellungen ist die Michaelkirche der erste Bau im Bistum Osnabrück, bei dem die Bestimmungen des II. Vatikanischen Konzils (1962-1965) umgesetzt wurden. Er hob in diesem Zusammenhang vor allem auf die zeltartige Dachkonstruktion als Symbol für das Zelt Gottes ab.

Sämtliche Baudetails und Ausstattungsgegenstände sind nach Darstellung des Denkmalpflegers einheitlich gestaltet und aufeinander abgestimmt, ,,was sehr zum überzeugend geschlossenen Raumeindruck des Bauwerkes beiträgt." Von besonderem Interesse ist nach den Worten von Dr. Wenz eine dem Innenraum akustisch angepasste ,,altenglische" Orgel, die zu den bemerkenswertesten Instrumenten ihrer Art in Nordwestdeutschland zählt.

Dr. Wenz machte deutlich, dass die 1969 eingeweihte Michaelkirche mit 400 Sitzplätzen eine Art Vorbildcharakter für weitere Kirchenneubauten in der Diözese Osnabrück darstelle. Bemerkenswerte Nachfolgebauten seien u.a. in Wietmarschen-Lohne und Heede entstanden. Sollte sich in den nächsten fünf Jahren keine befriedigende Lösung gefunden haben, wie die Michaelkirche sinnvoll genutzt werden kann, möchte das Bistum erneut über einen Abriss nachdenken, teilte der Denkmalpfleger mit. Unter bestimmten Voraussetzungen können nämlich nach Angaben von Dr. Wenz auch Baudenkmale abgerissen werden.

Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte der Pressesprecher des Bistums Osnabrück, Hermann Haarmann, dass das Bistum in Anbetracht der ,,neuen Situation" Anfang nächsten Jahres mit den Gremien der St. Bonifatius-Gemeinde sowie mit anderen Konfessionen und verschiedenen öffentlichen Trägern wie beispielsweise der Stadt Lingen nochmals nach tragfähigen alternativen Nutzungsmöglichkeiten suchen wolle. Der Status eines ,,öffentlichen Baudenkmals" beinhalte für die öffentlichen Träger auch ein Gebot der Unterstützung des Eigentümers bei diesen Überlegungen.

Haarmann: ,,Es kommt aus unserer Sicht darauf an, eine dem sakralen Charakter des Kirchengebäudes entsprechende Nutzung zu finden. Eine Nutzung als Gottesdienststandort der Bonifatius-Gemeinde an Wochenenden ist aber aus unserer Sicht nach wie vor nicht geplant, weil sich auch in Zukunft die pastorale Situation aller Voraussicht nach nicht entsprechend entwickeln wird." Der wöchentliche Werktagsgottesdienst dienstags um 8.30 Uhr solle aber vorerst weiter stattfinden.

Haarmann teilte mit, dass die Wehrbereichsverwaltung Nord im Auftrag des Bundesverteidigungsministeriums inzwischen der Schließung der Michaelkirche als Gottesdienstandort zugestimmt habe. Die Nutzungsrechte als Standortkirche für die Bundeswehr seien vertraglich von St. Michael auf St. Bonifatius übertragen worden.

Das Musik-Forum Emsland hat unterdessen in einem Schreiben an das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege Interesse daran bekundet, die Kirche für klassische Konzerte nutzen zu dürfen. Der etwa 380 Mitglieder zählende Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, das kulturelle, insbesondere musikalische Leben im Emsland zu fördern und mitzugestalten.

Der Geschäftsführende Gesellschafter der renommierten Erwin Müller Gruppe Lingen, Harald Müller, der sich in Lingen als Sponsor von kulturellen Veranstaltungen einen Namen gemacht hat und das Musikforum unterstützt, würde sich ebenfalls sehr darüber freuen, wenn die für ihre hervorragende Akustik bekannte Michaelkirche für Konzerte genutzt werden könnte.

Oberbürgermeister Heiner Pott betonte, dass die Unterschutzstellung nicht dazu führen dürfe, dass sich die Stadt künftig finanziell engagiere. ,,All diejenigen, die für den Erhalt der Michaelkirche gekämpft haben, haben dies nicht getan, weil sie glaubten, es handele sich um ein Baudenkmal, sondern weil sie die Kirche als sakralen Raum erhalten wollten", erklärte das Stadtoberhaupt. Deshalb könne es auch nur um eine kirchliche Nutzung gehen.

,,Wir dürfen die Kirche nicht aus der Verantwortung für dieses Gebäude entlassen", betonte Pott. Überlegungen, das Gotteshaus für kulturelle Zwecke zu öffnen, erteilte er eine klare Absage, wenn diese mit finanziellen Folgekosten für die Kommune verbunden seien. ,,Schon jetzt haben wir zahlreiche öffentliche Gebäude, deren Unterhaltungskosten uns zu schaffen machen. Eine Kirche kann sich die Stadt beim besten Willen nicht auch noch ans Bein binden", sagte der Oberbürgermeister.

Lingens Bürgermeisterin Ursula Ramelow äußerte sich erfreut darüber, dass die Kirche erhalten bleibt. ,,Ich erwarte jetzt vom Bistum, dass es sich intensiv Gedanken macht, um die Kirche mit Leben zu erfüllen.

Der aus Lingen stammende Architekt Rüdiger Will vom Architekturbüro Akzente, das in Hannover und Leipzig Büros unterhält, wird sich die Michaelkirche Ende des Jahres anschauen, um in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Möglichkeiten zu erörtern, ob und gegebenenfalls wie das Innere des Gotteshauses behutsam umgebaut werden kann.

Erfreut über die neue Entwicklung zeigten sich der Sprecher der Initiative zum Erhalt der Michaelkirche, Georg Wichmann und der Vorsitzende der Gemeinschaft Katholischer Soldaten am Standort Lingen, Wilhelm Terhorst. Sie appellierten an das Bistum und die Bonifatiusgermeinde, weiterhin Gottesdienste zu ermöglichen.

Terhorst und Wichmann: ,,Die Gläubigen in Reuschberge können es nicht verstehen, dass die Vorabendmesse im Sommer von St. Michael in die St. Bonifatiuskirche verlegt wurde und fordern eine Rücknahme dieser Entscheidung." Mit Blick auf die geplante Aufstockung der Bundeswehr in Lingen auf 1000 Soldaten müssten regelmäßig Standortgottesdienste und ökumenische Gelöbnisgottesdienste in St. Michael gefeiert werden, weil sie schließlich mit einem Bundeszuschuss von fast 500 000 DM auch für diesen Zweck gebaut worden sei.

Terhorst forderte in Anbetracht der neuen Rechtslage dazu auf, die zwischen Bistum und der Wehrbereichsverwaltung vereinbarte Übertragung der Nutzungsrechte zurückzunehmen. Terhorst und Wichmann dankten für das großartige Engagement zahlreicher Lingener Bürgerinnen und Bürger. ,,Viele haben für den Erhalt der Kirche gebetet", sagte Terhorst.


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