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Erinnerungen an Emmy von Dincklage Börstel: Für die Eltern wieder entlobt

Von Alexandra Lüders

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Börstel. Leben und Werk der Stiftsdame und Schriftstellerin Emmy von Dincklage (1825–1891) bildete das Finale im Herbst-Winter-Programm des Freundeskreises Stift Börstel. Im alten Kornspeicher ließen Marga und Hans-Eberhard Pradel aus Meppen Geschichte und Geschichten dieser außergewöhnlichen Frau lebendig werden.

„Ich bin stolz, ein Kind meines blonden, ruhigen, grobkörnigen Volkes zu sein“, bekannte Emmy von Dincklage sich in einem ihrer 50 literarischen Werke zum Emsland, wo sie auf dem Adelshof Campe in Steinbild an der Ems zu Hause war. So ist es umso verständlicher, wenn das Leben auf dem Land ebenso ein Thema war wie die Impressionen ihrer ausgedehnten Reisen durch Europa und die USA. Darüber hinaus verraten ihre humorvoll geschriebenen Werke ihr ausgesprochen feministisches Selbstwertgefühl, weshalb sie auch für die Gleichberechtigung von Schriftstellerinnen eintrat. Wie Marga und Hans-Eberhard Pradel eindrucksvoll darlegten, gehörte Emmy von Dincklage zu den sechs bekanntesten Schriftstellerinnen Deutschlands.

Als solche pflegte sie intensive Kontakte zu Ottilie von Goethe und anderen Prominenten. Sie galt in der internationalen Gesellschaft als gebildetste, geistreichste Dame Deutschlands. Wie Pradels recherchiert hatten, ging sie sogar zur Jagd und konnte Liszts Rhapsodien virtuos am Klavier spielen. Zwei ihrer in den USA verfassten Novellen wurden in deutschen Zeitungen nachgedruckt. Als sie schon weithin berühmt war, schrieb sie zwölf Briefe an die Lingener Zeitung.

Sie war nie verheiratet, entlobte sich ihren Eltern zuliebe und avancierte 1866 zur Stiftsdame in Börstel. Hier war sie als Kind häufig mit der Familie Gast bei ihrer Großtante, Äbtissin Charlotte-Dorothea von Dincklage, die hier auf dem Waldfriedhof ihre letzte Ruhe fand. Auch der sonntägliche Kirchgang Dincklages erfolgte häufiger in Börstel, da sie in ihrer Region die einzige evangelische Familie waren. Als Kapitularin des Stiftes konnte Emmy über ihr Hab und Gut verfügen und „war ihr eigener Herr“.


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