zuletzt aktualisiert vor

Gehrock und diskretes Personal Die Lieblingsserie der Queen: „Das Haus am Eaton Place“

Meine Nachrichten

Um das Thema Vermischtes Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Ende der 60er-Jahre hatten zwei befreundete Schauspielerinnen aus Großbritannien eine Idee: Jean Marsh und Eileen Atkins wollten eine Comedy-Serie über zwei Hausmädchen ins Fernsehen bringen. Sie wollten die beiden Bediensteten im London des beginnenden 20. Jahrhunderts selbst spielen. Das war die Initialzündung zu der Serie „Upstairs, Downstairs“, die in Deutschland als „Das Haus am Eaton Place“ ausgestrahlt wurde.

Eine Komödie war es schließlich nicht mehr, sondern ein gesellschaftliches Porträt, das von der Londoner Familie Bellamy und deren Dienstboten von 1903 bis 1930 erzählte. Sie lebten und arbeiteten im Londoner Stadtteil Belgravia, einer noblen Gegend südwestlich von Buckingham Palace.

Historische Ereignisse bildeten den Rahmen der im englischen Original 68 gedrehten Folgen mit jeweils 50 Minuten Länge. John Hawkesworth versetzte die Serie in die Zeit, die in England zunächst von König Edward VII. geprägt war. Es war die Zeit, in der edle Herren ihr Haus nicht ohne Gehstock und Hut verließen. Es folgten der Erste Weltkrieg, die politischen und wirtschaftlichen Umbrüche der 1920er-Jahre bis hin zum Börsenkrach 1929.

Die Folgen dieser und weiterer Ereignisse sind jeweils bis in das fünfstöckige Haus im Londoner Stadtteil Belgravia zu spüren. Beispielsweise, wenn Marjorie Bellamy, Lord Richard Bellamys erste Frau, beim Untergang der Titanic 1912 ums Leben kommt. Marjorie und Richard haben zwei Kinder – James und Elizabeth. James‘ Ehefrau Hazel stirbt durch die Spanische Grippe – die Londoner Bevölkerung litt tatsächlich von 1918 bis 1920 an der Grippeepidemie. Die Serie endet zunächst im Sommer 1930.

Nicht nur der Autor, sondern auch die Produzenten achteten sehr auf eine realistische Darstellung der Ereignisse rund um die Familie Bellamy und deren Angestellten. Das lag auch an John Hawkesworth, der seine Kindheit zwischen Dienstboten verbrachte und so einiges aus dem Protokoll der Familien gehobener Klasse in die Entwicklung der Geschichte einfließen ließ.

Besetzt war „Das Haus am Eaton Place“ mit hervorragenden englischen Schauspielern, allen voran Gordon Jackson als Butler Angus Hudson, der stets für strenge Ordnung sorgte: „Bis jetzt hat es in diesem Haus auch nicht den geringsten Skandal gegeben, und wenn das passieren sollte, dann nicht durch das Personal“. Später agierte Jackson in der Serie „Die Profis“ (in Deutschland ab 1985) als ein führender Kopf des britischen Geheimdienstes CI5. In 57 Folgen schickte er William Andrew Philip Bodie (Lewis Collins) und Raymond Doyle (Martin Shaw) auf Verbrecherjagd.

Unvergessen ist auch die Köchin, Mrs. Kate Bridges (Angela Baddeley, 1904– 1976), deren Gesicht die Form einer zerknautschten Kartoffel annahm, wenn sie wütend wurde, und die gern mal beleidigt war: „Ich weiß, ich bin nicht erwünscht in diesem Haus, und schätzen tut meine Arbeit auch keiner.“ Oftmals vermochte nur Butler Hudson sie zu beruhigen. Jean Marsh, eine der beiden Initiatorinnen der Serie, war in sämtlichen Folgen als Dienstmädchen Rose Buck zu sehen.

Die Serie war nicht nur in England ein großer Erfolg. Beliebt war sie auch in den USA und in Deutschland. Hier allerdings wurde die Serie nur in einer verkürzten Version ausgestrahlt. Zum einen kürzte das ZDF die 50-minütigen Folgen auf jeweils 43 Minuten, zum anderen wurden nur 52 Folgen ausgestrahlt und die fehlenden Informationen mithilfe der Synchronisation ergänzt. So fehlte in der Deutschen Ausstrahlung die Folge, in der Emily, eine der Küchenhilfen, sich selbst tötet. In einer der späteren Folgen, die auch das ZDF ausstrahlte, hieß es schließlich, sie sei mit einem Liebhaber durchgebrannt.

Die Serie wurde mit acht Emmys und einigen weiteren Preisen ausgezeichnet. Und sie wurde durch ein Lob sogar geadelt: Königin Elizabeth II. sagte 1975, dass „Upstairs, Downstairs“ ihre Lieblingsserie sei. Besonders gut gefalle ihr die Köchin Mrs. Brigdes.

Vielleicht also sitzt die Queen jetzt wieder vor dem Fernseher, um die Serie zu sehen, denn im Dezember 2010 sendete die BBC zunächst eine dreiteilige Fortsetzung von „Upstairs, Downstairs“. Diese beginnt im Jahr 1936, als der Diplomat Sir Hallam Holland und seine Frau Lady Agnes in das Haus am Eaton Place einziehen. In der Rolle der Maud Holland ist Eileen Atkins zu sehen, die zweite Erfinderin der Serie. Im Februar und März 2012 wiederum zeigte der Sender sechs neue Folgen rund um das Haus am Eaton Place, die kurz vor dem Zweiten Weltkrieg spielen. Noch ist offen, ob sie auch in Deutschland zu sehen sein werden. Immerhin sind mittlerweile sämtliche deutsch synchronisierten Folgen beim Label Fernsehjuwelen als DVD erhältlich. Im Bonus-Material sind die 16 Folgen der Serie enthalten, die bislang nicht in Deutschland ausgestrahlt wurden. Veröffentlicht wurden sie im Juni 2012.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN