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Knoten geplatzt Werke von Christine Wamhof in der Stadtgalerie

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Osnabrück. Es hört sich an, als wenn etwas Weiches aufplatzt. Wer sich in den hinteren Raum der Stadtgalerie begibt und einen Moment wartet, der nimmt dieses Geräusch wahr: Plopp. Ein Blick auf das Objekt, das in der Mitte des Raumes baumelt, wirft die Frage auf: Ist dies hier die Quelle des Geräusches? Ist die Watte, die man hier sieht, dieses an und für sich weiche, fluffige Material in der Lage, in Latex-Handschuhe hineingestopft, diese aufzusprengen?

Nun, das Plopp-Geräusch kommt aus zwei kleinen Lautsprecherboxen, die in den oberen Ecken des Raumes aufgehängt wurden. Also bleibt die Frage nach der Kraft der Watte im Raum stehen.

Verwirrt wendet sich der Besucher zunächst den gemalten Werken zu, die im Hauptraum der Galerie hängen. Christine Wamhof hat sie gemalt. Eigentlich sind Skulpturen aus Alltagsmaterialien die Domäne der Osnabrücker Künstlerin. Doch in den vergangenen vier Jahren hat sie in Stockholm gelebt und dort angefangen, gemalte Versionen ihrer Objekte anzufertigen. Blutrot schwebt jetzt ein Rotkäppchen auf der Leinwand, bedeckt mit einem Häkeldeckchen. Oder etwas Wurstähnliches wird von einer Art altmodischem Strumpfband verziert. Nach wie vor ist die Künstlerin fasziniert von Fundsachen, zum Beispiel aus der Wohnung ihrer Großmutter: Handtücher, Deckchen, Bänder. Auch in ihren großformatigen Bildern ist Wamhof auf der Suche nach Spuren des menschlichen Körpers – wie schon damals, vor sieben Jahren, als sie mit ihren Skulpturen das Innenleben und die Außenwirkung des Menschen thematisierte.

Zurück im hinteren Galerieraum: „Gordic“ ist der Titel, den Wamhof ihrer Latex-Watte-Skulptur gegeben hat. Damit verweist sie auf den „Gordischen Knoten“, der von Alexander dem Großen mit brutaler Gewalt durchtrennt wurde. Was aus der griechischen Mythologie zum Symbol für die unkonventionelle Lösung eines Problems wurde, bekommt bei Wamhof eine ganz neue Bedeutung. Der Knoten, den sie aus gefüllten Latexhandschuhen schuf, unterliegt einem Wandlungsprozess. Nach und nach platzt das Latexmaterial wegen des Drucks von innen oder wegen anderer, vielleicht chemischer Einflüsse im Raum auf. Das Problem löst sich von selbst, und keiner weiß warum.

Am 16. und 30. September findet jeweils um 15 Uhr ein „Kunstgespräch“ zur Ausstellung statt: Christine Wamhof unterhält sich mit der Kuratorin Christel Schulte.

Stadtgalerie: „Neue Arbeiten“. Malerei und eine begehbare Installation von Christine Wamhof. Samstag, 1. September (Eröffnung: 18 Uhr) bis 28. Oktober, Di.–So. 9–18.30 Uhr.


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