zuletzt aktualisiert vor

„Der amerikanische Investor“ Neuer Roman von Jan Peter Bremer

Von Thomas Schaefer


Hamburg. Sechs Jahre lang hatte Jan Peter Bremer zwischen seinen Büchern „Feuersalamander“ (2000) und „Still Leben“ (2006) nichts veröffentlicht. Die einen vermuteten eine Schreibblockade hinter der Publikationslücke, die anderen sprachen von einer familiär bedingten Auszeit. Vielleicht illustriert diese widersprüchliche Auslegung bereits den Geist des Bremer’schen Werkes. Mit zuverlässiger Regelmäßigkeit legte der 1965 in Berlin geborene Autor seine Kurzromane vor – mit 157 Seiten ist das neue Werk schon das umfangreichste! Immer sind seine Bücher abgründig und geheimnisvoll, komisch und unbarmherzig, regelmäßig wird der Vergleich zu Kaf-ka, Robert Walser und Beckett gezogen. Und verdächtig oft handeln Bremers Texte von Schriftstellern, die unter Schreibhemmungen leiden.

So auch der Held des neuen Romans: Während seine Frau das Geld verdient, ist er unfähig, sich angemessen um Haushalt und Kinder zu kümmern, geschweige denn ein Werk zu schaffen. Ein Träumer, der sich in einem rastlosen inneren Monolog in Omnipotenz-Fantasien ergeht und heroisch als Outcast stilisiert: „Genügte nicht die hartnäckige und unabänderliche Verlässlichkeit, mit der er seit Jahren schon kein Geld verdiente, ihn von allzu großer Bürgerlichkeit loszusprechen?“ Dabei liegt er den ganzen „helllichten Tag“ wie Spitzwegs armer Poet im Bett und bringt nicht die Energie auf, die Interessen seiner Familie zu vertreten. Eigentlich sollte er nämlich einen Beschwerdebrief an den amerikanischen Investor schreiben, der das Haus gekauft hat, in dem der Dichter und die Seinen leben und das nach begonnenen, aber nicht abgeschlossenen Renovierungsarbeiten unbewohnbar zu werden droht.

Ungewohnt ist der Umstand, dass Bremer, der selbst mit seiner Familie in Kreuzberg zur Miete lebt, seinem tragikomischen Minidrama einen aktuellen Rahmen verleiht – der Wandel ehemals preiswertiger Szeneviertel zu Snobbezirken. Hinter dem rast- und heimatlosen Investor verbirgt sich hier der Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen.

Vertraut ist, dass Bremer einen hermetischen Raum schafft, in dem der Protagonist sich verliert: das Gefängnis der eigenen Person. Dieser im Konjunktiv lebende Dichter ist ein larmoyanter, lächerlicher Schwadroneur, der in seiner Bequemlichkeit und Egozentrik provoziert, zugleich aber zutiefst trostlos ist und die prekären Arbeitsbedingungen des Freiberuflers widerspiegelt. Nie wird er Lorbeeren einheimsen wie sein Schöpfer: Für einen Auszug aus „Der amerikanische Investor“ wurde Bremer mit dem Döblin-Preis ausgezeichnet.

Jan Peter Bremer: Der amerikanische Investor. Roman.

Berlin Verlag,

157 Seiten,

16,90 Euro.