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Courage-Preis für Genscher

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Bad Iburg (hin).
Es sei der bewegendste Augenblick seiner langen politischen Laufbahn gewesen, damals, auf dem Balkon der Deutschen Botschaft in Prag, sagt Hans-Dietrich Genscher. Als er den DDR-Flüchtlingen die befreiende Nachricht überbrachte, gingen seine Worte im Jubel unter. Weniger laut, aber nicht minder anerkennend wird der Applaus am Freitag in Bad Iburg sein, wenn Genscher den Courage-Preis erhält.

Das Bad Iburger Courage-Komitee verleiht dem Ex-Außenminister die Auszeichung für seine Arbeit vor allem in der Zeit Wiedervereinigung. Genscher sei der "Architekt des neuen Europa und geschickter Anwalt des Ausgleichs zwischen Ost und West", erklärte der Vorsitzende des Courage-Komitees, Gerd Schöwing, gestern.

Der einst dienstälteste Außenminister der Welt (1974 bis 1992), wird die Courage-Nadel am Feitag im Rittersaal des Bad Iburger Schlosses entgegennehmen. Die Laudatio wird der Chefredakteur der Neuen Rhein/ Neuen Ruhr Zeitung, Dr. Richard Kiessler, halten. Genscher tritt als 5. Träger des Preises die Nachfolge von Uschi Glas an, die 1999 für ihren Einsatz in der Hospizhilfe geehrt wurde. Weitere Preisträger sind Stahlunternehmer Dr. Jürgen Großmann, Chef der Georgsmarienhütte GmbH, der Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode, und der Schöpfer und Mentor der Bad Iburger Schloßkonzerte, Harry Jahns. Das Komitee will mit der Auszeichung Menschen oder Einrichtungen würdigen, die sich um das Gemeinwohl verdient gemacht oder Zivilcourage bewiesen haben.

Der Ehrung wird am Freitag ein "Gespräch am Kamin" vorausgehen. Thema: "Wer an die Zukunft glaubt, verändert die Gegenwart". Neben Hans-Dietrich Genscher und Richard Kiessler werden Eske Nannen, Geschäftsführerin der Stiftung Eske und Henri Nannen, Hildigund Neubert, Mitglied des Landesvorstandes der CDU in Berlin, und der Landrat des Kreises Osnabrück, Manfred Hugo, auf dem Podium Platz nehmen. Den Abend beschließt der traditionelle "Fischschmaus". Die Karten für die Veranstaltung sind vergeben.

Hans-Dietrich Genscher trat im Mai 1992 aus freien Stücken von seinem Amt zurück. 1998 schied der FDP-Politiker aus dem Bundestag aus. Der Courage-Preis reiht sich ein in ein lange Liste von Auszeichungen, die dem 73-Jährigen zuteil wurden. Genscher ist unter anderem Träger des Großes Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband, des Großkreuzes der französischen Ehrenlegion, der Thomas-Dehler-Medaille in Gold, des Theodor-Heuss-Preises, des Immanuel-Kant-Preises und der höchsten Orden Polens und Ungarns. Genschers Markenzeichen ist sein gelber Pullover, sein Lieblingstier ist der Elefant, dessen großen Ohren und sprichwörtliche Geduld den Genscher-Karikaturisten reichlich Stoff lieferten. Genscher trug die Vergleiche mit Humor und erntete dafür den "Orden wider den tierischen Ernst" und den Titel "Das goldene Schlitzohr" (1992).


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