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Mehr als eine Ortschronik

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Was sich unter der bescheidenen Bezeichnung "Festschrift" zum 125-jährigen Bestehen des Dorfes Schöninghsdorf verbirgt, ist mehr als nur die Darstellung der Vergangenheit und Gegenwart der Gemeinde an der deutsch-niederländischen Grenze und weit mehr als eine Ortschronik. Es ist die Geschichte von Menschen, die sich im unwegsamen Moor in harter Arbeit eine Existenz aufbauten, geschrieben in leicht verständlicher Sprache und somit ein Werk, die dem an der Geschichte des emsländischen Raumes Interessierten viel Interessantes berichtet, Zusammenhänge aufhellt und nur wenige Fragen offenlässt.

Ein Team um Werner Niemeyer hat sich an die Arbeit gemacht und "ganze Arbeit" geleistet. Das 240 Seiten starke Buch über die Geschichte von "Schöningh sein Dörp" versteht sich als Ergänzung zu der zum 100-jährigen Jubiläum von Bernhard Ottens und anderen Autoren herausgegebenen Buches. Manches muss sich zwangsläufig wiederholen, einiges wurde ergänzt, anderes - wie beispielsweise die Geschehnisse um die Flucht und Vertreibung nach dem letzten Weltkrieg - erstmals aufgegriffen. Besonderen Wert hat man nach den Worten des "federführenden" Werner Niemeyer auf die mündlichen Überlieferungen von Zeitzeugen gelegt.

Man hat Material aus privaten Sammlungen hinzugezogen und schriftliche Quellen erschlossen. Die Bereitwilligkeit vieler Schöninghsdorfer, historisches Bildmaterial zur Verfügung zu stellen, macht das Buch zu einer Kostbarkeit im großen Mosaik der Bücher, in denen emsländische Geschichte dokumentiert ist. Schon die farbige Umschlagseite des Buches spricht an: Der Süd-Nord-Kanal, Hauptmann Schöningh in prachtvoller Uniform, die St. Franziskuskirche und eine der vielen Brücken über den schnurgeraden, das Ortsbild prägenden Kanal. Was die Außenansicht verspricht, hält das Innere.

Horst Heinrich Bechtluft "beleuchtet" den k.u.k. Marinehauptmann Eduard Schöningh, der mit dem vollen Backenbart an den Kaiser erinnert, und beschreibt - anschaulich wie man es vom NDR-Korrespondenten gewohnt ist - das Leben der ersten Kolonisten in Provinzialmoor. Lebenserinnerungen hat Werner Niemeyer gesammelt: Von der Kindheit auf einem Schöninghschen Pachthof, von Sonntagserlebnissen auf dem "Stött" am Kanal und vom Dorf am Wasser mit seinen vielen Brücken und Brückenwärtern erzählt der Autor.

Hans A. Wilbers blickt auf die Torfindustrie, die in der Ortschaft im Moor bis heute eine Rolle spielt. Die Geschichte der Schule und Kirchen, das Leben der katholischen und evangelischen (lutherischen und reformierten) Christen haben Elisabeth Tegeder und die Pastoren Gerhard Voßhage, Hejo Hedemann und Helmut Pante aufgefächert. Hochinteressant das Kapitel über Schmuggler und Zöllner von Werner Niemeyer, der sich mit Blick auf die Nachkriegsjahre auch dem Thema "Flucht und Vertreibung" widmet. Reinhard Ahlers hat sich dem Handel, Handwerk und den Dienstleistungen in der Gemeinde zugewandt. Werner Niemeyer stellt die Schöninghsdorfer Vereine vor: Auch hier wichtige Elemente im Leben eines Ortes.

Heiteres und Besinnliches runden die Beiträge ab. Nicht nur Schöninghsdorfer werden die reich illustrierte Geschichte über "Schöningh sein Dörp" mit großen Interesse und Gewinn lesen. Das Buch kostet 20 DM und ist ab sofort bei den Mitgliedern des Festausschusses, bei der örtlichen Volksbank, in der Postagentur sowie in den Buchhandlungen in Meppen und Haren erhältlich. - Das erste Exemplar überreichte der Festausschuss dem Bürgermeister der Gemeinde Twist, Josef Egbers.


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