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Auf der Siegessäule ein Symbol der Freundschaft

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Germania auf der Siegessäule - das war einmal das Bildprogramm des Kriegerdenkmals auf dem Straßburger Platz. Die Germania ist verschwunden, das Denkmal für die Gefallenen des Fürstentums Osnabrück im Krieg von 1870/71 zu einem sperrigen Fremdkörper geworden.

So haben es auch die 20 Schülerinnen im Kunst-Leistungskurs des Ratsgymnasiums empfunden: Sie arbeiten derzeit an ihren Entwürfen, mit denen das Denkmal in die Gegenwart geholt werden soll. 1880 wurde das Sandstein-Monument auf dem Neumarkt aufgestellt: Stadtbaumeister Hackländer hatte die korinthische Säule auf dem Postament aus Sandstein entworfen. 1928 wanderte das Denkmal auf den Straßburger Platz: Passender Weise in jenes Viertel, dessen Straßennamen bis heute die Generäle des Krieges von 70/71 und ihre Schlachtfelder verewigen. Die bronzene Germania auf der Säule dagegen wanderte im zweiten Weltkrieg in den Schmelzofen.

Anklänge an diese leidvolle Vergangenheit und die Hoffnung auf eine friedvolle Zukunft finden sich in allen fünf Entwürfen der Schülerinnen aus dem Ratsgymnasium. Teils abstrakt, teils auch gegenständlich, haben sie zumeist eine „Ergänzung“ der Fehlstelle auf der Säule vorgeschlagen: Zwei Figuren etwa, die sich an den Händen halten und so im Gleichgewicht um die gemeinsame Achse kreisen; zwei verschlungene Gebilde, Freundschaft und Frieden symbolisierend, und eine herabhängende Kugel schützend; oder ein Mobile aus abgeformten Körperteilen, wie ein Karussell vom Wind bewegt.

„Im Grunde basieren unsere Arbeiten alle auf der Erkenntnis, dass Frieden eine Frage der Balance ist“, sagte Christina Arensmann dazu bei der Präsentation der vorläufigen Entwürfe auf dem Straßburger Platz. Und ihr Kunstlehrer Christian Besuden ergänzt: „Aus dem Kontrast zwischen Alt und Neu sollen Einsichten in ein problematisches Kulturerbe möglich werden und Impulse ausgehen für eine friedliche Zukunft.“

Im Februar wird die Gruppe aus dem Jahrgang 12 im Ratsgymnasium ihre Ergebnisse in einer kleinen Ausstellung präsentieren. Möglicher Weise ist dann auch schon die Entscheidung gefallen, ob einer der Entwürfe in der Realität umgesetzt wird. Denkmalpfleger Bruno Switala hat sein grundsätzliches Einverständnis bereits erklärt. Und auch Andre Lindhorst, im Fachbereich Kultur für die Kunst im öffentlichen Raum zuständig, arbeitet mit den Schülerinnen zusammen.

Kunstlehrer Christian Besuden jedenfalls ist optimistisch. Neben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die im Rahmen ihres Schülerwettbewerbs bereits 2 500 Euro für diesen Zweck ausgelobt hat, liegen ihm weitere Sponsoren-Zusagen vor. „Entweder auf Zeit oder auch unbefristet“ könnte einer der Entwürfe umgesetzt werden.


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