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Ein Kaffee zwischen Kleiderstangen und Buchregalen

KAFFEE TRINKEN UND BÜCHER LESEN: Die Thalia-Buchhandlung hatte das Getränkeangebot auch schon vor dem 1. Juli im Angebot.KAFFEE TRINKEN UND BÜCHER LESEN: Die Thalia-Buchhandlung hatte das Getränkeangebot auch schon vor dem 1. Juli im Angebot.

Seit dem 1. Juli gilt die Liberalisierung des Gaststättengesetzes. Demnach dürfen Einzelhändler auch ohne behördliche Erlaubnis nichtalkoholische Getränke und kleine Snacks gegen Bezahlung anbieten. Doch in den Geschäften der Innenstadt bleibt alles beim Alten, wie eine Umfrage unserer Zeitung zeigt.

"Ich möchte doch auch nicht, dass im Café Brillen verkauft werden", sagt Armin Hampel, Inhaber der Brillen-Galerie in der Lotter Straße. Allerdings bietet er von jeher in seinem Optikerladen wartenden Kunden Wasser, Kaffee oder Saft an - umsonst. Getränke gegen Geld anzubieten kommt für Hampel nicht infrage. So hält es auch das Modegeschäft Engbers. Filialleiterin Heike Hachmann und ihre Mitarbeiter haben auch vor dem 1. Juli ihren Kunden kostenlos Getränke angeboten. Das gehöre zum Service, sagt Hachmann. Getränke und Snacks zu verkaufen kommt für sie aber nicht infrage.

Seit langem bietet eine Reihe von Einzelhändlern wartenden Kunden Kaffee oder ein Kaltgetränk an. So durften sie es schon vor dem 1. Juli. Die Liberalisierung des Gaststättengesetzes scheint aber niemand zu nutzen. Beim Unternehmerverband Einzelhandel Osnabrück-Emsland jedenfalls habe bisher niemand etwas davon gehört, erklärt Katja Brinkmann, die Sprecherin des Verbandes. Eine Konkurrenz für die Cafés sieht sie nicht, wenn Modegeschäfte Kaffee gegen Bezahlung anbieten.

Bereits seit ihrer Eröffnung im Oktober 2002 steht in der Thalia-Buchhandlung ein Automat, aus dem sich die Kunden mit Warmgetränken wie Kaffee oder Kakao versorgen können. 50 Cent kostet eine Tasse. Mit der kann es sich jeder Kunde in einer eigens eingerichteten Café-Ecke gemütlich machen und dabei in Büchern schmökern. Das Angebot werde intensiv genutzt, erklären die Filialleiter. Ähnliche Angebote gibt es auch in Thalia-Filialen anderer Städte. Mancherorts betreiben Pächter mit einer Gaststättenkonzession gar ein richtiges Café.

Das Textilhaus L+T bietet an drei Ständen in seinem Haus Kulinarisches an: Nur Getränke gibt es in der Saftbar und an einem Stand für Kaltgetränke. Im zweiten Stock des Geschäftes gibt es außerdem ein Bistro, wo Kunden belegte Brötchen, Suppen und Kuchen bekommen können. Wer bei L+T ab einer bestimmten Summe eingekauft hat, bekommt einen Getränkegutschein dazu. Die Angebote gehören zu dem Restaurant in der oberen Etage des Geschäftes, weshalb hier niemand auf die Liberalisierung des Gaststättengesetzes angewiesen war. Allerdings begrüßt Geschäftsführer Mark Rauschen, wenn derlei Angebote auf die Selbstverantwortung der Geschäfte zurückgeführt werden: "Einen Kaffee kann sich schließlich auch jeder zu Hause machen, warum soll das dann nicht auch in Geschäften passieren?"


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