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Energiebetankung mit zwei Händen

Der Bildbeweis, dass Reiki auch Wirkung zeigen kann: Brummi-Fahrer Michael Salthammer lässt sich von Renate Holzförster ein wenig mit Energie versorgen. Die Reiki-Lehrerin war früher selbst Lkw-Fahrerin. Foto: Stefan AlbertiDer Bildbeweis, dass Reiki auch Wirkung zeigen kann: Brummi-Fahrer Michael Salthammer lässt sich von Renate Holzförster ein wenig mit Energie versorgen. Die Reiki-Lehrerin war früher selbst Lkw-Fahrerin. Foto: Stefan Alberti

Da schaut jeder Brummi-Fahrer erst mal genauer hin: Zwei Damen auf Campingstühlen am Rande des Autohofes, die auf einem Schild mit der Aufschrift „Energietankstelle“ ihre Leistungen anpreisen. Wenn Sie jetzt an das älteste Gewerbe der Welt denken, dann haben Sie wohl zunächst ähnliche Gedanken wie die meisten Trucker. Aber weit gefehlt. In den folgenden Zeilen werden wir nicht über Parkplatz-Sex auf deutschen Rasthöfen berichten. Viel spannender: Reiki für Lkw-Fahrer, Tatort Autohof an der A-1-Abfahrt Neuenkirchen/Vörden.

Dass sie meistens zunächst mit ungläubigen Blicken zu tun haben, ist ihnen nicht neu: Reiki-Lehrerin Renate Holzförster aus Lembruch und ihre Freundin Erika können mit diesen Vorurteilen gut umgehen: „Das ist doch normal.“ Doch wenn einer die Sprache der Brummi-Fahrer spricht, dann ist es Renate Holzförster. Jahrelang saß sie selbst auf dem Bock und kurvte quer durch die Republik – bis sie nach einem Arbeitsunfall ihren Beruf als Lkw-Fahrerin nicht mehr ausüben konnte – und mit Reiki in Kontakt kam. So intensiv, dass sie seit dem 30. August 2000 auch Reiki-Lehrerin ist.

Reiki? Der Begriff stammt von den japanischen Worten „rei“ (Kosmos) und „ki“ (Lebensenergie). Reiki soll durch das Auflegen der Hände übertragen werden. Bei der Anwendung soll durch den Praktizierenden Energie auf den Empfänger übertragen werden. An dieser Stelle auf die Feinheiten dieses alternativ-medizinischen Behandlungsverfahrens näher einzugehen, würde zu weit führen. „Für mich ist Reiki Liebe, Licht und Kraft“, sagt Renate Holzförster. „Reiki stärkt das Immunsystem, was im Job als Lkw-Fahrer besonders wichtig ist.“ Deswegen stellt sie sich an diesem Donnerstagnachmittag auch auf den Autohof, um die Trucker kostenlos mit dieser Form von Entspannung vertraut zu machen.

Doch wie erwähnt – viele wollen sich gar nicht erst auf diese Energie-Betankung einlassen. „Wat für’n Zeug?“, fragt einer erstaunt. Der Mann mit leichtem Bierbauch zieht es dann doch lieber vor, seinen Energiehaushalt bei Burger King aufzuladen.

Ganz anders reagiert Trucker Michael – „mit Nachnamen Salthammer, Wohnort Wuppertal –, und fragen Sie mich der Einfachheit halber lieber danach, wo ich auf dieser Welt noch nicht war“. Als 52-jähriger „Mann von Welt“ hat er selbstverständlich auch schon mal von Reiki gehört.

Der gelernte Bäcker und Konditor, der zum finalen Glück eigentlich nur noch die Frau kennenlernen möchte, „die mit mir zusammenleben will“, lässt sich auf eine kleine Reiki-Sitzung mit Renate Holzförster ein, die ihre Hände einige Minuten auf seinen Schultern lässt. Ergebnis: „Ich spüre rechts eine angenehme Wärme.“ Es geht doch. Der nächste Kandidat: Polizeikommissar Michael Flohre von der Autobahnpolizei schaut vorbei und lässt sich nicht lumpen, drei Minuten auf dem Reiki-Stuhl sitzen drin. „Kribbeln wäre zu viel gesagt. Aber es war sehr angenehm“, lautet sein Fazit.

Schließlich lässt sich der Schreiber dieser Zeilen auch auf eine kleine Behandlung ein. Allerdings: Nichts zu spüren, außer Schweiß, der von der Glatze läuft. Vielleicht liegt es am Andruck, der einem Journalisten ja ständig im Nacken sitzt. „Das macht gar nichts“, beruhigt Renate Holzförster. „Immer wieder versuchen“, rät sie und ist zufrieden mit ihrem Tag. „Denn ich freue mich einfach nur über jeden Menschen, der sich darauf einlässt.“


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