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Allofs: Er war nicht unser Dreh- und Angelpunkt – Beim Sieg gegen Genua „nicht vermisst“ Werder und die Zeit nach Özil

Von Susanne Fetter

Bremen. In Bremen sind sie gut, wenn es ums Improvisieren geht. Keine Umkleidekabinen vor dem Qualifikationsspiel zur Fußball-Champions-League gegen Sampdoria Genua? Kein Problem: Die Leichtathletik-Halle neben dem Stadion tat es auch. Kein Dribbelkünstler gegen die Italiener? Auch kein Problem: Andere sprangen in die Bresche. 3:1 im Hinspiel der Qualifikation – der Bundesligist ist auf dem Weg in die Königsklasse.

Ob er den Tags zuvor nach Madrid abgewanderten Mesut Özil vermisst habe, wurde Klaus Allofs nach der Partie gefragt. Werders Geschäftsführer überlegte erst ein wenig, drehte dann seinen Kopf zur Seite und sagte: „Nein.“ Torsten Frings wurde noch direkter: „Alle waren seit Tagen auf das Spiel konzentriert. Der Einzige, bei dem es nicht mehr ganz so war, war Mesut.“ Der Kapitän mag solche Ablenkung nicht.

Natürlich werden Spiele kommen, fügte Allofs an, da werde Özil fehlen – „seine Dribbelstärke, seine Schnelligkeit“. Gegen Genua schaffte es die Mannschaft ohne ihn. Das liegt auch daran, dass der junge Nationalspieler nicht Werders Herzstück war. „So spielbestimmend war Mesut bei uns nicht. Er war nicht unser Dreh- und Angelpunkt“, so Allofs. Das sei kein Nachtreten: „Diese Bedeutung hatte er nicht.“ Anders als Diego, der im Jahr zuvor ging, hätte er ergänzen können. Er tat es nicht. In Bremen hängt man selten alten Zeiten nach.

Auch Trainer Thomas Schaaf macht das nicht. „Mesut hat viele Dinge für uns geschickt gelöst, diese Zeiten sind vorbei“, betonte er: „Jetzt bricht eine andere Zeit an.“ Ob es die von Hunt ist, wird sich weisen. Zumindest feierte er einen gelungenen Einstand auf der Özil-Position. Ersatz soll er keiner sein. „Bei uns spielt jeder das, was er kann und so wie er heißt“, betonte Schaaf: „Das ist nicht der neue Özil, sondern der alte Hunt.“ Doch der galt in Bremen auch als schlampiges Genie. Werder scheint dennoch auf ihn zu bauen. Und dann gibt es ja noch Marko Marin und Marko Arnautovic. Möglich, dass doch noch der Brasilianer Wesley (FC Santos) kommt. „Wir werden auf der Özil-Position nichts tun“, wehrte Allofs allerdings Transfergerüchte ab.

Kein Wunder, dass es sie gibt. 15 Millionen soll Werder mindestens für Özil bekommen haben, 15 weitere winken beim Einzug in die Champions League. Wahrscheinlich, dass Werder noch einmal investiert. „Woanders ist mehr Bedarf“, sagte Allofs. Wo genau? Auch das hat man gegen Genua gesehen: in der Innenverteidigung. Der Brasilianer Naldo leidet unter Kniebeschwerden. Sebastian Prödl ist besonders international dem Niveau nicht gewachsen. Mit ihm an seiner Seite wirkt auch oftmals Per Mertesacker überfordert. Eine Folge: Das 1:3 der Gäste in der 90. Minute in Unterzahl. „Ärgerlich“, sagte Mertesacker. „Es hat aus einem sehr guten Spiel ein gutes gemacht“, analysierte Schaaf unaufgeregt. Auch darin ist man bei Werder gut.