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"Dem Ort geht ein Stück Kultur verloren"

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Die Gesellschaft zur Förderung des Bad Rothenfelder Musikfestes ist Geschichte. Damit hat auch das Musikfest selbst keine Zukunft mehr.

32 Jahre lang hatte das Musikfest das kulturelle Programm des Kurortes bereichert. Jetzt sah Karlhans Simnoch keinen anderen Ausweg, als seine Mitglieder im Haus des Gastes um die Auflösung des Vereins zu bitten. 13 von ihnen unterstützten das Aus, eines enthielt sich der Stimme. Ausgerichtet von der Gesellschaft zur Förderung des Musikfestes, lag die künstlerische Leitung in den bewährten Händen von Luz Leskowitz, der seine engen Kontakte zum Salzburger Mozarteum nutzte.

Doch die Zeiten, als jährlich zu drei hochkarätigen Konzerten mit einem anschließenden feierlichen Essen ins Kurhaus eingeladen wurde, sind schon lange vorbei.

Die Zahl der Mitglieder ist in den letzten Jahren von 200 auf 70 gesunken. Diese erhielten für ihren Mitgliedsbeitrag von 35 bis 40 Euro im Jahr Karten für die Konzerte. Doch je mehr die Zahl der Mitglieder sank, desto größer wurde das finanzielle Risiko für den Vorstand, der seit dem Rückzug der Kur & Touristik vor zwei Jahren als Veranstalter für die Kosten der Konzerte allein geradestehen musste.

Die Zahl der Konzerte reduzierte sich auf zwei, das Programm an den Abenden zwischen den Konzerten wurde gestrichen, beispielsweise ein Auftritt der Salzburger Puppenbühne mit einem Mozart-Programm. Vom Kurhaus zogen die Musiker in die Jesus-Christus-Kirche und die Teutoburger-Wald-Klinik um.

"Es ist uns einfach nicht gelungen, jüngere Menschen zu motivieren", bedauerten Simnoch und seine Vorstandskollegen Dr. Martin Bauer und Gisela Kuchenbecker. "Es ist traurig, aber ich sehe keinen Nachfolger", erklärte der 75-jährige Simnoch. Zudem sei die Konkurrenz unter den klassischen Konzerten immer größer geworden. Das Auto lasse dabei auch entferntere Städte leicht erreichbar werden.

Zwar hätten die Besucherzahlen an der Abendkasse in den letzten zwei Jahren Hoffnung gemacht, mehr Mitglieder habe der Verein trotzdem nicht werben können. Selbst Freikarten, die an Schulen und Kirchengemeinden gingen, seien kaum genutzt worden. "Wo sind unsere Ärzte gewesen, wo die Ratsmitglieder?"

Nachteilig habe sich zudem ausgewirkt, dass dem Verein die Gemeinnützigkeit fehlte und er darum keine Spendenquittungen ausstellen konnte. Das Restguthaben von 3500 Euro möchten die Mitglieder zum einen in eine Bank stecken, die mit einem Stifter-Schild versehen zum Verweilen im Kurpark einladen soll. Der Löwenanteil des Geldes geht an die Gemeinde, die es für kulturelle Zwecke nutzen soll.

"Es ist sehr schade, dass dem Ort ein Stück Kultur verloren geht", bedauerte Rosemarie Gätje nach der Auflösung. Und alle Mitglieder stimmten ihr nickend zu.


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