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Bekommt Neuenkirchen bald ein Heimathaus?

Wie lebten die Neuenkirchener vor 100 Jahren? Antworten darauf möchte der örtliche Heimatverein bald in angemessenem Ambiente präsentieren. Ein Heimathaus mit Archiv soll die Vergangenheit aufleben lassen und vor allem an den Dichter Wilhelm Fredemann erinnern. Ein geeignetes Mietobjekt ist gefunden. Ein Antrag auf finanzielle Förderung liegt der Stadt Melle bereits vor.

Aus eigenen Mitteln kann der Heimatverein das Vorhaben nicht realisieren und hofft daher auf einen Zuschuss der Stadt. Dr. André Berghegger steht dem Vorhaben offen gegenüber. "Wir müssen grundsätzlich leer stehende Objekte unterstützen." Möglichst bald will er das hübsche Haus gegenüber der Kirche in Augenschein nehmen und sich mit dem Heimatverein an einen Tisch setzen.

Geschichten und Fotos von Wilhelm Fredemann dürften in so manchem Wohnzimmerschrank in Neuenkirchen schlummern. Doch es ist ruhig geworden um den Heimatdichter, der eigentlich keiner sein wollte. Volks-und Realschüler der älteren Generation haben bei ihm die Schulbank gedrückt, über den gedanklich abdriftenden Lehrer und Verfechter der plattdeutschen Sprache geschmunzelt oder in einem seiner 22 Romane geschmökert.

Bislang erinnert nur eine kleine Vitrine in der Realschule Neuenkirchen an die Werke des Ehrenbürgers der Stadt Melle. Damit der überregional bekannte Schriftsteller und Heimatforscher nicht in Vergessenheit gerät, bemüht sich der Heimatverein seit einem Monat verstärkt um einen festen Ausstellungsraum. Sabine Freiherrin von Richthofen möchte den Heimatverein gerne als Mieter gewinnen. 100 Quadratmeter im Erdgeschoss ihres geschichtsträchtigen Hauses in der Kirchburg sind frei geworden. Das Angebot kam wie gerufen. "Das wäre die ideale Lösung für uns", meinte Wilfried Buddenbohm euphorisch während eines Besichtigungstermins. Der Vorstandssprecher stellte bei der Stadt Melle am 30. April einen Antrag, in dem er um finanzielle Unterstützung bat. Genaue Kosten für Miete und Unterhaltung sind noch nicht absehbar. "Wenn jeder der 5000 Einwohner einen Euro jährlich spenden würde, dann wären die Kosten vermutlich gedeckt", bemerkt Pressesprecher Gerhard Stechmann augenzwinkernd. Das Wunschobjekt, einst die alte Pfarre des Ortes, bietet Platz für ein übersichtliches Archiv mit historischen Dokumenten von Neuenkirchen, eine Gedächtnisstube für Wilhelm Fredemann und einen Veranstaltungsraum für Lesungen und gemeinsame Treffen.

Ein Heimathaus soll nicht nur die Identifikation mit dem Ort erhöhen und Auswärtige anlocken, sondern Schülern das Leben ihrer Vorfahren näher bringen. Großes Interesse an lokaler Geschichte, im Lehrplan für Sachunterricht sogar verankert, hat die Grundschule. Der Heimatverein half bereits bei Naturschutzprojekten. "Ein Heimathaus wäre eine tolle Ergänzung für unseren Unterricht", meint Schulleiter Michael Ehlhardt. "Nur noch eine Kollegin kommt gebürtig aus Neuenkirchen", verweisen Christiane Röper und Stephanie Wittenberg auf den fehlenden Bezug der Lehrkräfte zum Ort. Der mögliche Ausstellungsraum hat auch Ortsbürgermeister Volker-Theo Eggeling inspiriert. "Dort könnten Bilder von lokalen Künstlern wie Tom Winkler hängen", unterstützt der Historiker das Projekt. Das Haus würde ungeahnte Energien freisetzen, glauben Wilfried Buddenbohm und Gerhard Stechmann. Skeptisch ist da Erich Voß. Er bevorzugt aus Kostengründen einen öffentlichen Raum der Stadt und meint: "Eine Ausstellung über Wilhelm Fredemann gehört einfach in die Wilhelm-Fredemann-Realschule." Gegen einen Umzug seines Privatarchivs hat der Hobbyhistoriker jedoch nichts einzuwenden.


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