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Hans-Gert Pöttering genießt seine „größte und schönste Ehrung“

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Stolzer Bersenbrücker: Hans-Gert Pöttering (2. von rechts) vor einer Europa-Installation des Künstlers Volker-Johannes Trieb (links). Foto: Klaus LindemannStolzer Bersenbrücker: Hans-Gert Pöttering (2. von rechts) vor einer Europa-Installation des Künstlers Volker-Johannes Trieb (links). Foto: Klaus Lindemann

Bersenbrück, rund 8000 Einwohner, verfügt über eine malerische Klosterpforte, ein idyllisches Haseufer und wirbt auf seiner Homepage mit einer „attraktiven Citystraße mit zahlreichen Einzelhändlern, Gastronomie-, Kultur- und Freizeitangeboten“. Der besondere Stolz des Städtchens gilt aber einem seiner „Söhne“: Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments. Ihm wurde am Samstag die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Mehr als 150 geladene Gäste, darunter viel regionale Politprominenz, ja sogar ein Team vom ZDF, waren in die Von-Ravensberg-Schule gekommen und brachten staatsmännischen Glanz in den Nordkreis.

Der Ratsbeschluss, die Auszeichnung vorzunehmen, sei einstimmig gewesen – ein überparteilicher Konsens also, der viel aussage über die Glaubwürdigkeit Pötterings in seiner „Haltung, Europa zu dienen“, wie es der Laudator, der frühere Bundestagsabgeordnete Reinhard von Schorlemer, formulierte. Immerhin sei Pöttering gewissermaßen ein Mann der ersten Stunde – oder gar der Stunde null: Geboren 1945 „am ethischen Tiefpunkt unseres Landes“ und dem europäischen Parlament von seiner Konstituierung im Jahre 1979 angehörend, habe Pöttering maßgeblichen Anteil am Dialog der Konfessionen, Nationalitäten und Kulturen, so Bersenbrücks Bürgermeister Harald Kräuter. Pöttering selbst hatte die Namen seiner früheren Nachbarn aus der Bramscher Straße ebenso parat wie die von Parteiführern, Ministern und Regierungschefs in Europa und darüber hinaus. Seine Mitschüler aus Grundschulzeiten – auch sie waren zum Festakt gekommen – erinnerten sich an einen strebsamen Schüler, „mit dem man gut auskommen konnte“.

Diplomatisch eben. Integrierend. Eigenschaften, die sicherlich nicht nur auf dem Bersenbrücker Schulhof, sondern auch in den internationalen Beziehungen förderlich sind. Der „Europäer im Pendelverkehr“, wie der frühere polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski ihn einmal genannt haben soll, hat nie seine Wurzeln vergessen oder gar verleugnet. Im Gegenteil: „Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde“, zitierte er den Philosophen Karl Jaspers. Und obgleich vielfach geehrt, bezeichnete er die Bersenbrücker Auszeichnung als „die größte und schönste Ehrung“, die ihm je zuteil geworden sei. Das mag leutselig klingen, ebenso wie vorgetragene Erinnerungen an entbehrungsreiche Nachkriegsjahre oder an seine Zeit als Schüler und Messdiener. Bei Pöttering fungieren derlei Erinnerungen aber glaubhaft als Erklärung für das, was ihn umtreibt, warum es ihm um Werte wie Frieden und Menschenrechte geht.


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