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Der Misthaufen als Ausflugsziel

Vorab gesehen: Die Propaganda-Maschine - arte 23.45 Uhr

,,Ein guter Propagandist macht aus einem Misthaufen ein Ausflugsziel" wusste schon Berthold Brecht und meinte damit nicht die heute beliebten Ferien auf dem Bauernhof, sondern die Hörfunk- und Filmauftritte der Nazis. Sie waren ,,Meister" dieses Fachs, obwohl sie es keineswegs erfunden haben.

Denn die arte-Dokumentation von Joachim Meißner zeigt, wie schon im Ersten Weltkrieg die Alliierten in Propagandafilmen die Deutschen einerseits lächerlich machten und andererseits als frauenschändende Barbaren darstellten. Der Autor hat vielfältiges Material zusammengestellt: Filmausschnitte und Plakate, Reden und Aufmärsche, Flugblätter und Ansprachen. Kombiniert hat er das mit Aussagen von Experten, etwa des SPD-Politiker Egon Bahr.

Interessant ist: Manche Propagandamittel sterben einfach nicht aus. So versuchten die Nazis die amerikanische Kultur herabzuwürdigen mit einem Film über einen Swing-Wettbewerb. Kommentar: ,,Auf dieser Tanzkonkurrenz der Nigger werden Urwalderinnerungen als neueste Errungenschaften amerikanischer Zivilisation aufgefrischt". Zwanzig Jahre später machte es die DDR kaum anders, wenn es zu Bildern einer Rock’n Roll-Party heißt: ,,Ist es auch Wahnsinn, hat es doch Methode."

Aber wer glaubt, Propaganda sei Vergangenheit, wird eines Besseren belehrt. Beispiel Golfkrieg: Die öffentliche Meinung zugunsten des Einmarsches in Kuwait wurde maßgeblich beeinflusst durch ein junges Mädchen, das vor der UNO-Vollversammlung berichtete, wie irakische Soldaten Neugeborene aus Brutkästen rissen und sie auf Klinikfluren sterben ließen. Erstunken und erlogen, denn eine Werbeagentur hatte den Text für die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA geschrieben.

So sind also auch wir aufgeklärte Bürger des Informationszeitalters vor politischer Propaganda nicht gefeit. Grund genug, trotz der späten Stunde ihre Methoden kennen zu lernen.


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