zuletzt aktualisiert vor

Stargeiger entzückt 8000 Fans Ein Leben für die Musik: David Garrett im Gerry-Weber-Stadion

Von Carolin Hlawatsch

Stargeiger David Garrett führte seine Fans in Halle durch einen musikalischen Dschungel. Foto: Egmont SeilerStargeiger David Garrett führte seine Fans in Halle durch einen musikalischen Dschungel. Foto: Egmont Seiler

Halle. Immer auf der Suche nach neuen musikalischen Möglichkeiten habe er sich nun auch an die Musikrichtungen „Rhythm and Blues“ und Techno gewagt, erklärt David Garrett den 8000 Zuhörern am Freitagabend im ausverkauften Gerry-Weber-Stadion in Halle. Nach seinem letzten Auftritt dort vor zehn Monaten steht er zum vierten Mal auf der Gerry Weber-Bühne – die viele Konzertgänger so sehr mögen, weil sie die Stars so nah ans Publikum heranführt.

„Rock Anthems“ lautet der Titel seiner aktuellen Tournee, auf der Garrett bekannte Rocksongs und klassische Werke mit der Geige und begleitet von seiner Band und der Neuen Philharmonie Frankfurt auf seine Weise interpretiert. In Halle kommen seine Fans zusätzlich in den Genuss von Teilen seines zukünftigen Projekts: Mit Justin Timberlakes „Cry Me a River“ zeigt Garrett wie „Rhythm and Blues“ auf der Stradivari klingt. „Lang habe ich danach gesucht. Wie bekomme ich diesen von mir bisher vernachlässigten Musikstil auf der Geige hin?“ Und auch mit dem Techno-Song „Sandstorm“ begibt sich der 31-jährige Virtuose auf neues Terrain.

Vertraut hingegen der größte Teil seines Programms: ein fetziger Start mit „Welcome to the Jungle“ von Guns’n’Roses. Der Titel des Stücks steht symbolisch für den Musikdschungel, die Vielfalt, durch die der lässige Stargeiger in seiner Show führt. Weiter mit Rock- und Klassik-Ohrwürmern verschiedener Epochen, eingeleitet von lustig erzählten David-Garrett-Anekdoten, mit denen er seinen Konzerten eine persönliche Note gibt. „Als Kind liebte ich es, mit geschlossenen Augen zur Musik zu dirigieren. Einmal sogar mit einer Tintenpatrone als Taktstock in der Hand zu Beethovens 9. Symphonie im Wohnzimmer meiner Eltern. So versetzte ich dem Raum ein neues Design“, berichtet er. Und noch während seine Fans lachen, schmettern die Scherzo-Klänge des bekannten Beethoven-Stücks ins Stadion. Blaue Farbkleckse platschen im Rhythmus auf die LED-Leinwand im Hintergrund.

Das ist übrigens neu in seiner Show: Garretts Geschichten werden durch viele Fotos und Effekte auf der Leinwand unterstrichen. Als er von einem Ausflug im Sportflitzer zu seinem Lieblingsitaliener im New Yorker Stadtteil Soho erzählt, sehen seine Fans ein Foto des flotten Wagens und ein weiteres ohne das schicke Gefährt. „Der Wagen wurde abgeschleppt. Wäre auch merkwürdig gewesen – ein Parkplatz ohne Gebühren, und das direkt um die Ecke des Restaurants“, sagt Garrett dazu, bevor er das italienische „Funinculi Funincula“ anstimmt.

Seufzer der weiblichen Fan-Riege, als Garretts Kinderfotos zum Beatles-Klassiker „Yesterday“ gezeigt werden, und Gänsehaut bei den Romantikern im Publikum, als es zu „Leningrad“ von Billy Joel auf der Bühnenleinwand schneit, während im Haller Stadion ein breiter Abendsonnenstrahl über die Köpfe der Zuhörer zieht.

„Die Musik mit euch zu teilen ist das Größte für mich“, richtet sich Garrett am Konzertende an seine Fans und spielt John Miles’ Rockhymne „Music“: Ein Song, der perfekt zu David Garrett passt, der seit seinem vierten Lebensjahr Geige spielt, bereits mit 13 Jahren als Wunderkind galt und von der Deutschen Grammophon unter Vertrag genommen, von Yehudi Menuhin als größter Violinist seiner Generation bezeichnet wurde und der, so wie er selbst sagt, ein Leben für die Musik lebt.


0 Kommentare