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Der fast vergessene Bunker

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Hinter einem Vorhang aus Pflanzen verbirgt sich der Eingang zum alten Luftschutzbunker im Freden, der außerdem durch Geröll zum Teil verschüttet ist. Foto: Heinz SchlieheHinter einem Vorhang aus Pflanzen verbirgt sich der Eingang zum alten Luftschutzbunker im Freden, der außerdem durch Geröll zum Teil verschüttet ist. Foto: Heinz Schliehe

Wer auf dem Hermannsweg durch den Freden wandert, ahnt kaum, dass er dabei auch einen alten Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg überquert. Der Eingang liegt zwar nur wenige Meter vom Weg entfernt, ist aber an dem Steilhang nicht zu erkennen.

Selbst viele Iburger wissen nicht, dass es nicht nur in Iburg einen alten Bunker gibt, sondern auch in Sentrup oberhalb der Höfe an einem Hohlweg. Während der Eingang zu dem alten Bunker im Schlossberg leicht zu finden ist, ist der in Sentrup nur unter erheblichen Mühen auszumachen.

Zum einen ist der Eingang im Laufe der Jahre durch herabfallendes Geröll halb verschlossen, zum anderen durch Efeu so weit zugerankt, dass nur noch eine kleine dunkle Öffnung den Eingang erahnen lässt. Und diese Stelle findet auch nur, wer weiß, wo er suchen muss.

Im Zuge der Dorferneuerung in Sentrup nun kam der Vorschlag, diesen Bunker sozusagen wieder zum Leben zu erwecken, als Ort der Geschichte von Sentrup. Da sich unweit des Bunkers eine Schutzhütte befindet, könnten Wanderer einen kleinen Abstecher dorthin machen. Wie weit diese Idee realisiert und vielleicht auch touristisch genutzt werden kann, soll sich in den nächsten Sitzungen des Arbeitskreises Dorferneuerung zeigen.

Die Geschichte des Bunkers: Um sich bei Bombenangriffen zu schützen, hatten die Landwirte in Sentrup wie auch anderswo Erdlöcher gegraben. Während diese Erdlöcher bei Granatangriffen noch ausreichenden Schutz boten, waren sie bei direkten Bombenangriffen wirkungslos. Am 31. Mai 1944 fielen nun acht Bomben direkt über den Höfen in Sentrup. Bei dem Alarm flüchten alle in ihre Erdlöcher. Doch Hofbesitzer Plöger-Wellmann kam dabei zu Tode, während seine Familie überlebte.

Daraufhin wurde im Sommer 1944 schließlich der Bunker gebaut. Sprengmeister Heinrich Bentrup sprengte ihn in eine Felswand oberhalb der Höfe, so wird es überliefert. Der nächste große Bombenangriff in Sentrup fand dann am 19. September 1944 statt. 12 Bomben fielen rund um das Gehöft Broxtermann. Während die Menschen auch dank des Bunkers überlebten, wurde der Hof ein Raub der Flammen. 1945 war dann der Krieg zu Ende.

Jahrelang nutzten Sentruper Kinder den Bunker noch als Abenteuerspielplatz, obwohl es verboten war. Doch inzwischen ist der Eingang so verfallen, dass schon einiges an Mut dazugehört, in das noch recht gut erhaltene Innere zu klettern. Anzuraten ist das sowieso niemandem angesichts der drohenden Lebensgefahr.


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