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Der deutsche Film räumt ab

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Der deutsche Film ist der große Gewinner der 56. Internationalen Filmfestspiele Berlin - oder doch zumindest die deutschen Filmschauspieler: Sandra Hüller wurde für ihre herausragende Leistung in "Requiem" ebenso mit dem Silbernen Bären als beste Darstellerin ausgezeichnet wie Moritz Bleibtreu als bester Darsteller für seine Rolle in "Elementarteilchen".

Überdies ging ein weiterer Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Leistung an Jürgen Vogel, der in "Der freie Wille" nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern den Film auch mitgeschrieben und mitproduziert hat.

Fast zwangläufig blieben den deutschen Regisseuren bei der Preisvergabe weitere Bären versagt, wenngleich Hans-Christian Schmids "Requiem" in fast allen Kritikerumfragen in der Gunst weit vorne lag. Den Goldenen Bären für den besten Film erhielt stattdessen die bosnische Filmemacherin Jasmila Zbanic für ihren Beitrag "Grbavica". Darin erzählt sie von einem zwölfjährigen Mädchen, die von ihrer Mutter nur widerwillig darüber aufgeklärt wird, dass sie das Opfer einer Vergewaltigung ist. Die Jury entschied sich für diesen eher kleinen Film wohl auch deshalb, weil er einer der wenigen im Wettbewerb war, dessen Geschichte mit einem Hauch von Hoffnung endet.

Silberne Bären gingen - sehr überraschend - an zwei Debütfilme: In "En Soap" von Pernille Fischer Christensen aus Dänemark kommen sich eine beziehungsgestörte Frau und ein Transsexueller allmählich näher. Und in der iranischen Fußball-Komödie "Offside" von Regisseur Jafar Panahi versucht sich ein Teheraner Mädchen, als Junge verkleidet, Zutritt zu einem WM-Qualifikationsspiel zu verschaffen. Als beste Regisseure wurden Michael Winterbottom und Mat Whitecross für ihren dokumentarischen Spielfilm "The Road to Guantánamo" geehrt, in dem sie das Schicksal dreier britischer Muslime schildern, die durch unglückliche Umstände in das umstrittene Gefangenenlager geraten und dort über zwei Jahre festgehalten werden. Einen letzten Silbernen Bären für die beste Filmmusik erhielt schließlich "Isabella" von Regisseur Pang Ho-Cheung aus Hongkong.

Die Preisverleihung im Berlinale-Palast wurde erstmals in der Geschichte des Festivals live im Fernsehen übertragen, ohne dass die Gewinner der Bären zuvor verkündet worden waren. Mit der lockeren und doch zugleich emotionalen Zeremonie erlebten die Filmfestspiele ein Finale, das nahtlos an die vielen glamourösen Star-Auftritte auf dem Roten Teppich während der vergangenen Woche anschloss. Selten war der Auftrieb an Hollywood-Prominenz so beeindruckend wie in diesem Jahr. Selten aber genossen auch ähnlich viele Schauspielerinnen und Schauspieler aus Deutschland das Rampenlicht, in dem sie während des Festivals standen.

Alles in allem war der 56. Jahrgang der Filmfestspiele gewiss nicht der beste in der Geschichte der Berlinale, aber ganz sicher auch nicht der schlechteste. Mit einer soliden Auswahl an europäischem und amerikanischem Kino, an großen und kleine Produktionen, an Newcomern und Regie-Altmeistern hat Dieter Kosslick den Berlinale-Tanker auf Kurs gehalten und den verunglückten Wettbewerb des vergangenen Jahres vergessen gemacht. Allerdings waren die Filme in ihren Themen fast durchgängig düster, behandelten Themen von den Rändern und den schwarzen Flecken der Gesellschaft. Ob das nun an der Auswahl des Festival-Direktors und am Film-Angebot lag, sei dahingestellt. Jedenfalls gab es auf der diesjährigen Berlinale kaum etwas zu lachen. Das sollte sich - so der Wunsch vieler Beobachter - im nächsten Jahr doch wieder zum Besseren ändern.


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