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Die Meister von 1970 sollen heute Glücksbringer sein

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Osnabrück. Der Gewinn der norddeutschen Meisterschaft 1968/69 hat den Fans Stoff für zahllose Legenden geliefert. Von der Saison 1969/70 wird längst nicht so viel gesprochen, obwohl sie ähnlich erfolgreich war. Am Freitag sind etliche der Meisterspieler 40 Jahre nach ihrem Triumph Ehrengäste beim Spiel gegen Holstein Kiel.

Im Jahr nach dem sensationellen Siegeszug durch die damals zweitklassige Regionalliga hatte sich das Gesicht der Mannschaft geändert. Trainer war zwar noch Radoslav Momirski, doch der populären Torjäger Wolfgang Kaniber hatte den VfL verlassen – zu dem lukrativen Angebot des französischen Erstligisten Racing Straßburg konnte der umworbene Stürmer nicht Nein sagen.

Doch der VfL hatte nach dem Zuschauerboom 1968/69, als im Schnitt inklusive der Aufstiegsspiele zur Bundesliga 16000 Zuschauer kamen, die Mittel, um sich prominent zuverstärken: Mittelstürmer Uwe („Ole“) Kallius ließ sich vom FC St. Pauli nach Osnabrück locken, vom SSV Reutlingen kam der bundesligaerfahrene Harald Braner, von Bundesligist Borussia Dortmund der hoch gelobte Fritz Lehmann, von Spvg. Herten ein umworbener Angreifer namens Werner Brosda. Und Momirski holte einen jugoslawischen Landsmann nach Osnabrück: Todor Grujic von OFK Belgrad war der erste Ausländer in der Geschichte des VfL. Der drahtige, kleine Verteidiger wurde schnell populär, die Fans riefen ihn „Toscha“.

Zum Saisonauftakt waren die Helden noch müde: Einem peinlichen 2:3 an der Bremer Brücke gegen den HSV Barmbek Uhlenhorst folgte ein 0:2 beim VfB Oldenburg – war der Osnabrücker Zauber verflogen? Die Antwort gab die Mannschaft in Form einer Serie von 23:1 Punkten. Ein 4:0 gegen Holstein Kiel (!) war im Frühjahr 1970 der Beginn einer Erfolgsserie, die den VfL zur zweiten Nordmeisterschaft trug.

Gefeiert wurde der erneute Titelgewinn in Göttingen; 2000 Fans hatten den VfL begleitet. Sie trugen die lila-weißen Helden auf den Schultern vom Platz, in der Kabine knallten die Sektkorken. Doch in der Aufstiegsrunde war die Luft früh raus. Nach respektablen ersten Heimspielen gegen den Karlsruher SC (2:1) und den späteren Aufsteiger Arminia Bielefeld (0:0) brach der physisch überforderte VfL zusammen, holte nur noch einen Punkt und wurde Letzter in seiner Gruppe.

Als der SV Alsenborn zum bedeutungslosen letzten Spiel der Runde zur Bremer Brücke kam, wollten nur noch 2500 Unentwegte zuschauen – über 15000 Dauerkartenbesitzer blieben lieber zu Hause oder gingen ins Freibad. Auf der Bank saß auch nicht mehr Radoslav Momirski: Der zwei Jahre gefeierte Meistermacher war nach dem 0:6-Debakel in Karlsruhe entlassen worden.

Diese letzten Eindrücke trüben das Bild einer Mannschaft, die schaffte, was als besonders schwer gilt: Den Titel zu verteidigen. Es war trotz allem ein großes Jahr des VfL, der im Schnitt 14000 Zuschauer anlockte.

Von den alten Zeiten wird heute geplaudert, denn der VfL hat sich längst auf seine Tradition besonnen und pflegt nicht erst seit der von der Neuen OZ organisierten Wahl der „Jahrhundertelf“ den Kontakt zu den Spielern vergangener Epochen.

Zum 40. Jahrestag des Titelgewinns wurden alle Akteure eingeladen. „Kalla“ Diehl, Walter Wiethe, „Sigi“ Müller (alle Osnabrück), Friedhelm Holtgrave (Lotte), „Charly“ Tripp (Hasbergen), Fritz Lehmann (Stemwede), „Toscha“ Grujic (Nordhorn), Werner Brosda (Bad Lippspringe) und Harald Braner (Worms) werden ab 15.30 Uhr zu Kaffee und Kuchen im Museum der Osnatel-Arena erwartet; Willi Mumme, Uwe Kallius, Carsten Baumann, Günter Müller und Jürgen Schüler sagten ab. Bereits verstorben sind außer Trainer Momirski die Spieler Herbert Schröder, „Zorro“ Wöbker, Hannes Schaaf und Andreas Burose.


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