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Umweltschützer: Nicht genug Rücksicht auf Bestände – EU will Fischfang für Nord- und Ostsee weiter begrenzen Greenpeace kritisiert Fischeinkäufer von Supermärkten

Von dpa

Hamburg. Die Einkäufer vieler deutschen Supermarktketten nehmen nach Ansicht von Greenpeace nicht genug Rücksicht auf die Fischbestände. Das geht aus einer Rangliste der Umweltorganisation hervor, die gestern in Hamburg vorgestellt wurde. Die Umweltschützer untersuchten elf Handelsketten und prüften unter anderem Einkaufskriterien, die Kennzeichnung der Produkte und ob Kunden zurückverfolgen können, wo ein Fisch gefangen wurde. „Es gibt dringend weitere Schritte zu tun“, sagte Iris Menn, Meeresexpertin von Greenpeace.

Die erste Supermarkt-Rangliste zur Einkaufspraxis bei Fischprodukten hatte Greenpeace im Dezember 2007 vorgestellt und die Bewertungsmaßstäbe in der aktuellen Studie noch verschärft. Im Vergleich zeigte sich, dass die Handelsketten ihr Verhalten in den letzten Jahren verbessert haben. So wurden Aal, Rotbarsch, Blauflossen-Thunfisch oder Dornhai bei einigen Unternehmen aus dem Sortiment genommen. Auch die Kennzeichnung der Produkte habe sich verbessert. Sie zeigten häufiger die genauen Fanggebiete, Fangmethoden und lateinische Namen der Fischarten. Erst mithilfe dieser Angaben könnten Kunden verantwortungsvoll einkaufen und bedrohte Fischbestände schützen helfen.

Matthias Keller, Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Fischindustrie, stellte das Greenpeace-Rating infrage. Man solle nicht das Ende der Wertschöpfungskette im Supermarktregal untersuchen, sagte Keller gestern. Stattdessen müsse man die Fischereipolitik einem kritischen Blick unterziehen, „damit der Fisch gar nicht erst aus dem Wasser kommt“. Zu viele fachspezifische Informationen würden Kunden zudem nur verwirren. Greenpeace arbeite mit eigenen Maßstäben, die nicht unbedingt mit wissenschaftlichen Bewertungen übereinstimmten.

Die EU-Länder hatten sich am Mittwoch in Brüssel darauf geeinigt, die Fischerei in der Nord- und Ostsee sowie im Nordatlantik für 2011 weiter zu begrenzen. Sie reduzierten die Fangquoten für rund 90 Bestände, darunter Kabeljau und Seelachs.