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Der FC Barcelona entzaubert Real Madrid und zeigt überwältigend schönen Fußball Das perfekte Spiel

Von Ronald Reng

Eine mitreißende Vorstellung: Der FC Barcelona bot perfekten Fußball. Foto: dpaEine mitreißende Vorstellung: Der FC Barcelona bot perfekten Fußball. Foto: dpa

Barcelona. Es war eine Sensation – und eine Demonstration. 5:0 gewann der FC Barcelona gegen Real Madrid, die höchste Niederlage für die Madrilenen seit 1993/94. Ein denkwürdiger Tag in der Geschichte des Klassikers des spanischen Fußballs.

Zum Tor sind es über 50 Meter, als Leo Messi im kalten Nieselregen mit dem Fuß ausholt und sein Publikum noch einmal daran erinnert, dass die Perfektion existiert. Messi dreht den Körper in der Hüfte, als wolle er den Fuß an den Ball schmiegen. Und der Ball fliegt. Mit einem einzigen effetvollen 40-Meter-Pass hat er eine gesamte Abwehr ausgehebelt, David Villa nimmt das Zuspiel auf, es wird das vierte Tor des FC Barcelona. Am Ende strecken Barças Spieler fünf Finger in die Luft. Una manita, ein Händchen, heißt in Spanien ein Sieg mit so vielen Toren wie Fingern einer Hand.

Barças Sieg erinnerte den Profifußball daran, worum es wirklich geht in diesem Sport: Dieser Fußball war so überwältigend schön, dass nur über Fußball geredet werden kann. Längst scheint in der Öffentlichkeit alles wichtiger als das Spiel selbst, ein Sportdirektor lästert über seinen Trainer, ein Verein hat so viel Schulden, und ein Torwart nimmt einem Fan die Brille weg, die Aufgeregtheiten regieren. Barças leichtfüßiger Vortrag brachte die Illusion zurück, dass Fußball wirklich nur ein Spiel ist.

Es war der Sieg des Wie: „Heute hat die Welt gesehen, wie wir gewinnen“, sagte Barças Trainer Pep Guardiola. Kein anderer Verein nimmt das Wie – seine Art zu spielen – so ernst. Gegen Real gab Barça seinem legendären endlosen Passspiel ein wahnwitziges Tempo, es spielte öfter und früher als gewohnt steil in den freien Raum.

All die Tore von Xavi, Pedro, Villa (2) und Jeffren hatten eines gemeinsam: Ihre Entstehung, die Pässe, waren noch schöner als der Torschuss. Xavi spielte 120 Pässe. 115 kamen an.

Unbeweglich wie seine eigene Wachsfigur saß Reals Trainer José Mourinho auf der Ersatzbank. Sich selbst zu kontrollieren blieb die einzige Aufgabe, die Mourinho noch bewältigen konnte. Real rannte nur hinterher, seine deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Sami Khedira waren zwei beliebige Einzelschicksale in einem ohnmächtigen Verbund.

Özil, der als Mann für die plötzliche Kreativaktion verloren war in einem Spiel, in dem Real nie den Ball hatte, wurde zur Halbzeit aus taktischen Gründen für einen dritten defensiven Mittelfeldspieler ausgewechselt. Khedira jagte Schatten.

In seinen ersten vier Monaten in Madrid hat Mourinho die Elf mit dem besten Zeitgeistfußball geschaffen; blitzartig auf Angriff umzuschalten ist das Elixier der Zeit. Im Grunde ist es Konterfußball, aber wenn es so technisch sauber wie bei Real vorgetragen wird, wirkt es geradezu elegant. Bis zu diesem Montag.

In 19 Pflichtspielen war Real ungeschlagen, sie haben weiterhin die Klasse, diese Saison jede Trophäe zu gewinnen, zwei Punkte hinter Barça in der spanischen Liga. Doch das 0:5 wird eine grundsätzliche Niederlage bleiben. Real musste erkennen, dass sein ewiger Rivale über etwas verfügt, was es auch mit allen Siegen diese Saison nicht gewinnen wird: Einzigartigkeit.

Keine Mannschaft der Welt könnte mit diesem ewigen Passspiel, mit dieser extrem offensiven Taktik Erfolg haben. Nur Barça selbst. Sie bilden dafür ihre Fußballer selbst aus, acht der elf Spieler gegen Real wurden in Barças Jugendschule groß, das gibt es sonst nirgendwo mehr.

Diese Elf zeigte unzählige große Spiele, 6:2 in Madrid, 4:0 gegen Bayern München, 8:0 in Almería, und doch war das 5:0 vom Montag etwas Neues; etwas, von dem man dachte, es gebe es nicht.

Das perfekte Spiel. Perfektion ist ein Zustand, der sich nicht verbessern lässt.