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Volksfrömmigkeit widerstand Gestapo und Bischöfen

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Das "Forum Marianum" hatte Dr. Maria-Anna Zumholz, Autorin des jüngst erschienenen Buches "Volksfrömmigkeit und katholisches Milieu - Marienerscheinungen in Heede" zu Gast.

Der Vortrag der in Cloppenburg lebenden Historikerin vor über 200 Besuchern sollte vor allem Wege aufzeigen, wie man mit historischen Quellen umgeht und entsprechende komplexe Zusammenhänge aufbereitet.

Die in einem 746 Seiten umfassenden Buch veröffentlichte Studie stellt eine theoriegeleitete und in ihre übergeordneten Zusammenhänge eingebettete Alltagsgeschichte des katholischen Milieus im Emsland dar. Die Marienerscheinungen in Heede und die sich daraus entwickelnden Wallfahrten bilden dabei einen wichtigen Bestandteil der emsländischen Milieugeschichte.

Auf ihrem historisch-kritischen "Weg" zu den Erscheinungen stellte die Autorin fest, dass diese "neben himmlischen durchaus auch menschliche Dimensionen aufweisen". Konsequent verfolgt Zumholz diesen Weg nach einer Einführung über die Kapitel "Eine katholische Agrarregion auf dem Weg in die Moderne", "Himmlische Hilfe in bedrängter Zeit", "Volksfrömmigkeit und totalitäres Regime", "Autonomie der Volksfrömmigkeit im Emsland" und "Volksfrömmigkeit und bischöfliche Autorität".

Sie zeigt dabei auf, dass sowohl die Bischöfe als auch die NS-Machthaber vor der "widerspenstigen Haltung der Emsländer" kapitulieren mussten. Der Versuch der Nazis, das emsländische katholische Milieu zu zerstören, sei im Wesentlichen fehlgeschlagen. Ihr Fazit: Katholisches Milieu im Emsland wurde nicht eingerichtet, sondern entstand als Reaktion auf Gegebenheiten. In diesem Zusammenhang erklärt sie, dass Parteieintritte keinesfalls als Bekenntnisse zu ideologischen Grundsätzen, sondern "unter starkem Druck" erfolgt seien. Die organisatorische und geistige Gleichschaltung sei "nicht einmal ersatzweise gelungen". Die Entstehung des Kults in Heede sei ausschließlich auf Laien zurückzuführen.

Bischof Berning habe mit seiner Bekundung, dass er den Erscheinungen keine übernatürliche Qualität beimesse, für gravierende Irretationen gesorgt. "Das war der Bevölkerung, aus der viele mutig für ihre religiöse Überzeugung eingetreten seien, nicht zu vermitteln", betonte Dr. Zumholz. Allerdings sei es absolut nicht gerechtfertigt, dem Oberhirten den Ruf eines Nazibischofs anzuhängen. Auf die jüngsten kritischen Äußerungen einer Augenzeugin angesprochen, erklärte die Autorin, dass sie die erhobenen ungerechtfertigten Vorwürfe nicht nachvollziehen könne. Die Familie G. gelte in Bezug auf ihre Erscheinungserlebnisse als Personen des öffentlichen Lebens. "Und so müssen sie hinnehmen, dass sie in der Öffentlichkeit diskutiert werden."


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