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Werths besondere WM-Premiere Nicht ohne meinen Sohn

Von dpa

Strahlende Mutter: Isabell Werth hat ihren Sohn mit zur WM genommen. Foto: dpaStrahlende Mutter: Isabell Werth hat ihren Sohn mit zur WM genommen. Foto: dpa

dpa Lexington. Für Isabell Werth war die USA-Reise zu den Weltmeisterschaften eine ganz besondere Premiere. Erstmals in ihrer langen Karriere flog die Dressurreiterin nicht gemeinsam mit ihrem Pferd zu einer Veranstaltung außerhalb Europas, ihr Sohn hatte Vorrang.

„Ich lasse doch Frederik nicht allein fliegen“, sagt Werth mit leicht gespielter Empörung. Ihre Prioritäten haben sich seit der Geburt ihres Sohnes vor knapp zwölf Monaten deutlich verschoben.

„So ein Kind verändert ja wirklich alles“, erklärt Werth. „Den Tagesablauf, die Gewohnheiten, den Blick fürs Wesentliche.“ Ob nach Atlanta, Sydney oder Las Vegas – wo immer früher ihre Pferde hinflogen, Werth saß neben ihnen in der Transportbox. Diesmal aber musste ihr Wallach Warum nicht alleine fliegen. „Ein etwas komisches Gefühl war es schon“, gibt die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt zu, die gestern Abend bei der WM in Kentucky mit der deutschen Equipe auf Medaillenkurs ritt.

Was für einen Mann wie den Springreiter Marcus Ehning, seit einem knappen Jahr Vater einer Tochter, kein Problem darstellt, ist für Mütter keine Selbstverständlichkeit – nach der Geburt möglichst schnell wieder im Sattel Anschluss an die Weltspitze zu finden.

Werth ist das gelungen. Dafür bedarf es aber einer besonderen Organisation und einiger Hilfe. „Wir machen einen richtigen Familienausflug“, sagt Werth zu dem US-Trip. Oma, Opa und der Vater helfen bei der Kinderbetreuung. „Gott sei Dank ist er nach wie vor sehr unkompliziert“, berichtet die stolze Mutter. „Wenn es mit den Medaillen nicht klappt, wird es nicht an ihm liegen.“ Alle kümmern sich um den Nachwuchs der erfolgreichen Reiterin. Auch der Bundestrainer springt ein. „Ich habe auch schon auf ihn aufgepasst“, sagt Holger Schmezer, „aber noch keine Windeln gewechselt.“

Frederik, der während der ersten WM-Woche ein Jahr alt wird, ist nicht das jüngste Kind am Dressur-Viereck. Die für Dänemark startende Nathalie zu Sayn-Wittgenstein aus Bad Berleburg hat ihren gerade einmal acht Wochen alten Sohn Konstantin mit nach Kentucky gebracht. Für die Betreuung des Nachwuchses ist vor allem Papa Alexander Johansmann zuständig.

Der Start nach der Geburt ist für die Reiterinnen nicht leicht. „Zuerst bin ich nur Schritt geritten, dann nach einer Woche vorsichtig mal ein bisschen getrabt“, berichtet Meredith Michaels-Beerbaum. Die Springreiterin, die ihre Tochter Brianne Victoria im Februar zur Welt brachte, sagt im Nachhinein: „Es war nicht einfach.“

Auf den letzten Drücker qualifizierte sie sich im August mit dem Sieg bei den deutschen Meisterschaften für die WM. „Als Mutter bei der WM zu reiten ist noch schöner als alle Erfolge zuvor“, sagt Michaels-Beerbaum. Mit Papa Markus Beerbaum und der finnischen Pferdepflegerin Anu Harilla teilt sie sich bei allen Turnieren die Betreuung, auch in Lexington.

Ohne Kinder reiste Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke (Münster) an, schweren Herzens. Ihr fehlt für die im März geborene Philippa die Betreuung in Lexington, deren Schwester Greta muss zur Schule. „Das war eine schwere Entscheidung“, sagt Klimke.