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Zum Debüt ein „Abschied“: Die Schauspielerin Marie Bäumer stellt sich als Dramatikerin und Regisseurin vor Trauer-Werwolf unterm Bett

Von dpa


Hamburg. Ein lauter Schrei hallt durch das Theater. Der Zuschauer wird gleich zu Beginn darauf vorbereitet, was ihn in den kommenden 75 Minuten erwartet. Marie Bäumers „Abschied“ erzählt von Einsamkeit, Liebe, Leben und Tod. „Die Geschichte war einfach da, und dann hab ich geschrieben und geschrieben“, sagt die 41-jährige Schauspielerin über ihr erstes Theaterstück, bei dem sie auch die Regie übernommen hat. Für die Szenencollage gab es bei der Uraufführung an den Hamburger Kammerspielen ordentlichen Applaus.

Im Fokus steht eine impulsive junge Frau (Laura Lo Zito) und ihr deutlich älterer Partner (Peter Franke). Fünf glückliche Jahre sind der Liebe vergönnt. Dann stirbt der Mann, sie bleibt allein zurück. „Immer wieder folgt Nacht auf Nacht. Sie beißen einander in den Schwanz. Der Schmerz ist unendlich, den Tag gibt es nicht mehr“, heißt es gleich zu Beginn.

Collagenhaft werden Szenen aneinandergereiht. Das Kennenlernen im Café, Tango-Abende, dann die Diagnose. „Warum hast Du Dir so einen alten Knacker ausgesucht, das haben wir jetzt davon“, fragt er. Schließlich seine Versuche, sich dem Tod anzunähern – „Ich gebe ihm den Namen Franz“ – und gemeinsame schlaflose Nächte. „Wer fängt mich auf im freien Fall?“, fragt die junge Frau, die eigentlich pure Lebenslust verkörpert. „Ich bin nichts mehr ohne Dich.“

Dazwischen immer wieder Ausschnitte aus der Zeit nach seinem Tod. Ihr langer Weg der Trauer wird über Bilder dargestellt: Zum einen lebt fortan ein Werwolf unter ihrem Bett. Zum anderen verlernt sie das Laufen. Mit dem Prozess des Abschiednehmens schrumpft der Wolf kleiner, und die Frau lernt rückwärts zu gehen. Das Stück sei zwar authentisch, „alles andere wäre traurig“, aber nicht autobiografisch, hatte Bäumer vorab erklärt. Ihr gehe es eher um die Frage, wie unsere Gesellschaft mit dem Tod umgeht.

Der Altersunterschied des Paares – zwischen den beiden liegen etwa 40 Jahre – sei dagegen kein Thema. „Das interessiert mich gar nicht so. Liebe ist Liebe, und wir wissen alle, dass das nicht altersabhängig ist.“ Dagegen nimmt die Musik, gespielt von dem Jourist Quartett, eine wichtige Rolle ein. „Sie ist der dritte Protagonist“, erklärt Bäumer. Sie gehört zu den Stärken von „Abschied“, ebenso wie das kraftvolle Schauspiel. Zudem gelingt es Bäumer, Momente der Leichtigkeit zu schaffen, etwa bei Lo Zitos witziger Tanzeinlage, für die es auch begeisterten Szenenapplaus gibt. Wirklich mitreißend und bewegend ist das Stück aber trotz der ergreifenden Thematik nicht.Dennoch darf man auf weitere Werke von Bäumer gespannt sein. Die erfolgreiche Darstellerin – unter anderem mit dem Bayerischen Filmpreis und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet– scheint Gefallen am Schreiben gefunden zu haben: „Ein neues Stück ist bereits geplant.“