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Rehhagels Schachzug gelingt und führt die Grün-Weißen zur Meisterschaft 1993 Gundelach: Ein Torwart, den niemand auf der Rechnung hatte

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Richtungsweisend: Hansi Gundelach und Dieter Eilts beim Sieg gegen Bayern. Foto: BaaderRichtungsweisend: Hansi Gundelach und Dieter Eilts beim Sieg gegen Bayern. Foto: Baader

München. Der Süd-Nord-Gipfel zwischen Bayern München und Werder Bremen elektrisiert stets die Fußball-Nation. Das ist am heutigen Samstag so, das war auch vor knapp 18 Jahren so. Eine der Schlüsselfiguren des Bremer 3:1-Erfolges war Torwart Hans-Jürgen Gundelach. Und eigentlich hatte den heute 46-Jährigen niemand auf der Rechnung.

Die Bayern waren souverän in die Saison gestartet, hatten vor dem Auftritt der Grün-Weißen noch kein Spiel verloren. Werder war nur mittelmäßig gestartet, gehörte nach zehn Spieltagen höchstens zum erweiterten Verfolgerkreis der Münchener. Bei denen führte Lothar Matthäus im Mittelfeld Regie, und mit weiteren Cracks wie Olaf Thon, Mehmet Scholl, Thomas Helmer, Jorginho oder Bruno Labbadia waren sie an jenem 24. Oktober 1992 klar favorisiert.

Das muss auch Trainer Otto Rehhagel so gesehen haben – auch in der Erinnerung von Gundelach. „Es waren für mich die ersten Monate bei Werder, Oliver Reck war der Stammtorwart, doch im Training habe ich nicht lockergelassen und meine Ansprüche geltend gemacht“, berichtet Gundelach. Viele der Rehhagel-Jünger hielten es für einen Geniestreich des Werder-Rekordtrainers, für ein solch bedeutendes Spiel den Posten zwischen den Pfosten neu zu besetzen. Doch Gundelach hat da eine eigene Sicht auf die Dinge. „Der Otto hat gemerkt, dass ich unruhiger wurde und auf einen Einsatz drängte. Deswegen hat er sich wohl das Bayern-Spiel ausgesucht – in der Annahme, dass ich anschließend Ruhe geben würde.“

Dass sich Rehhagel an ein bestimmtes Spiel aus der Vorsaison erinnert hatte, glaubt Gundelach eher nicht. Der Torwart wusste nämlich, wie man bei den Bayern gewinnt. Er hütete im Herbst 1991 das Tor des FC Homburg, und die Saarländer sorgten für den Paukenschlag der 2. DFB-Pokal-Runde, als sie sich mit 4:2 nach Verlängerung bei den Roten in München durchsetzten.

Profitiert hat Gundelach von seinem starken Spiel im Herbst 1992 nicht wirklich. Fortan war wieder Reck erste Wahl, Gundelach bestritt in der Saison nur noch ein weiteres Match.

Dennoch blickt er gern auf diese Spielzeit zurück, die Werder im Frühjahr 1993 mit der Meisterschaft krönte. Gundelach, der bis 1997 bei den Hanseaten unter Vertrag stand und seine Karriere mit insgesamt 130 Bundesliga-Einsätzen für Eintracht Frankfurt, Homburg und Werder beendete, blieb in der Region und betreibt in Hude einen Computerhandel. Und demnächst zieht es ihn wieder ins Weserstadion: Sein achtjähriger Sohn ist Werder-Fan.


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