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Kommentar: Augen und Herzen öffnen

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Es gibt Dinge, die kollektiv verdrängt werden: aus Unwissenheit, aus Bequemlichkeit oder weil es ganz einfach an Sensibilität fehlt. Der Umgang mit Behinderten gehört dazu. Die Hemmungen sind groß – auch aus Furcht, sich zu belasten. Jetzt hat eine neue Studie im Auftrag des Familienministeriums das Dunkel heller und damit ein weiteres Wegsehen unmöglich gemacht.

Was Bielefelder Forscher ermitteln, ist in der Tat erschreckend: Dass fast jede zweite Frau unter den Gehörlosen, Blinden und Körperbehinderten von sexuellen Übergriffen berichtet, wirft ein hässliches Licht auf unsere Gesellschaft. Wenn offenbar nur die Starken und Schönen etwas zählen, die Schwachen aber gedemütigt werden und – wie die Studie belegt – psychischer Druck und Gewalt gegen Behinderte sogar noch zunehmen, ist dies ein Weckruf an uns alle, Augen und Herzen zu öffnen.

Aus Missbrauchs- oder Vergewaltigungsprozessen wissen wir, wie quälend und verletzend die Beweisführung sein kann. Nicht wenige Opfer scheuen den Gang vor das Gericht, weil sie sich entblößen müssen. Da reicht bei den Couragiertesten oft die Kraft nicht aus.

Um wie vieles schwieriger ist es für jene, die in Abhängigkeit leben und kaum Perspektiven haben, ihre Rechte zu erwirken. Auf sie zuzugehen, ihnen die Hand zu reichen, ohne aber die unzähligen Helfer und Pfleger pauschal in schlechtes Licht zu setzen: Das ist ein sehr schwieriges Unterfangen.


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