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Reformation à la Bartholdy Vor dem Sinfoniekonzert am Sonntag: Geiger Silviu Agachi und Flötistin Sabine Szacknys vergleichen Aufnahmen

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<em>Hörten sich vier Aufnahmen</em> der „Reformationssymphonie“ von Mendelssohn Bartholdy an: die Osnabrücker Musiker Sabine Szacknys und Silviu Agachi. Foto: Klaus LindemannHörten sich vier Aufnahmen der „Reformationssymphonie“ von Mendelssohn Bartholdy an: die Osnabrücker Musiker Sabine Szacknys und Silviu Agachi. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Silviu Agachi und Sabine Szacknys sind zunächst etwas skeptisch: Sie hören sich nur selten Aufnahmen an, seit sie wissen, wie sie im Studio entstehen. Doch beide lassen sich auf den Blindflug ein: Die Besonderheiten der Interpretation heraushören, ohne zu wissen, wer da am Werke ist.

Vier Aufnahmen der „Reformationssymphonie“ von Mendelssohn Bartholdy werden in Auszügen gehört. Die erste überzeugt den Geiger und die Flötistin gar nicht: alles sehr schwer, ziemlich flächig, die Farben zu dunkel. Sabine Szacknys schüttelt immer wieder den Kopf, weil Details der Partitur überhaupt nicht umgesetzt werden: „Wo ist das Staccato? Und der Akzent? Kein Crescendo... Da steht doch dolce.“ Silviu Agachi meint, alles klinge sehr mulmig, und vermutet eine ältere Aufnahme. Er hat recht: Herbert von Karajans Einspielung mit den Berliner Philharmonikern stammt von 1971.

Anerkennend ziehen beide Musiker die Brauen hoch bei der nächsten Aufnahme. Viel dynamischer sei sie, viel reicher an Klangfarben, außerdem spiele das Orchester viel virtuoser und transparenter. Streicherlastig sei die Aufnahme, meint Silviu Agachi, dennoch seien auch die Bläser sehr deutlich, sehr solistisch. „Die Klarinette klingt so schön“, schwärmt er. „Das macht viel mehr Spaß: sehr übersichtlich und gut ausbalanciert.“ Beide bewundern die Frische, Lebendigkeit und Präzision der Aufnahme und vermuten einen jungen Dirigenten mit einem amerikanischen Orchester, vielleicht Chicago oder New York. Ähnlich schwungvoll leitet Kurt Masur das Gewandhausorchester in einer Aufnahme von 1989. Doch die Osnabrücker Musiker finden seine Interpretation nicht ganz so überraschend, weniger deutlich und im Detail etwas schwächer.

Bei einer vierten Aufnahme fallen Silviu Agachi und Sabine Szacknys zunächst unsaubere Intonation und nicht perfektes Zusammenspiel auf. Es ist zu entschuldigen, denn hier steht ein Konzertmitschnitt drei Studioproduktionen gegenüber. Doch die Ungenauigkeiten häufen sich den beiden dann doch etwas zu sehr, auch falsche Töne sind deutlich zu hören. Doch auch die Interpretation begeistert sie nicht: „Vielleicht hat der Dirigent hier zu barock gedacht“, meint Sabine Szacknys, „da ist zu wenig Wärme im Klang.“ Das Orchester spielt ohne Vibrato, doch das klingt den beiden in dieser Musik offenbar zu nüchtern. Der Dirigent ist Jos van Immerseel mit dem Radio Kamerorkest im Jahr 1997.

Am Ende steht fest: Beide können den Aufnahmen von Karajan und Immerseel nicht viel abgewinnen, deutlich vorne sehen sie die zweite Aufnahme. Sie entstand tatsächlich mit einem sehr jungen Dirigenten, Lorin Maazel war 30, als er diese Aufnahme dirigierte. Silviu Agachi und Sabine Szacknys staunen: Die Aufnahme, die auch klanglich am überzeugendsten wirkt, ist die älteste im Test: Im Januar 1961 spielten die Berliner Philharmoniker.

Empfohlene Aufnahme: Lorin Maazel, Berliner Philharmoniker. DGG. Konzert: Sonntag, 9.12., 11 Uhr; Montag, 10.12., 20 Uhr, in der Osnabrückhalle. Kartentelefon: 0541/7600076


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