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Bauernmädchen oder eine Gräfin von Tecklenburg?

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In der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte waren ja bekanntermaßen meist die Männer die Handelnden, die große Grafschaften regierten und ruhmreich in die Schlachten zogen. Doch am Sonntagnachmittag hat der Kultur- und Heimatverein bei einer Stadtführung sein Augenmerk einmal auf "Bedeutende Frauen in der Geschichte Westerkappelns" gelegt.

Ursula Stietzel ist eine der Stadtführerinnen des Kultur- und Heimatvereins. Sie hat sich eingehend mit den Frauen in der Geschichte Westerkappelns beschäftigt, so dass sie am Sonntag von historischen Fakten berichten konnte, aber auch über die Sagen und Legenden, die sich um so manche Westerkappelnerin ranken. Zur Auflockerung ihres Vortrags zeigte sie auch immer wieder Bilder oder zitierte aus Urkunden und Gedichten.

"Als ich vor 30 Jahren nach Westerkappeln kam, hab ich gefragt, was es mit der Reinhildis, die sich ja auch auf dem Westerkappelner Wappen befindet, auf sich hat, und bekam immer unterschiedliche Antworten", erzählte Ursula Strietzel. Die Legende besagt, dass Reinhildis ein Bauernmädchen war. Von ihrem verstorbenen Vater hatte sie ein Vermögen geerbt. Ihre missgönnende Mutter warf sie deshalb in einen Brunnen. Doch am nächsten Morgen soll Reinhildis wieder wohlbehalten auf dem Brunnenrand gesessen haben. Das ist wohl die bekannteste Legende.

Doch es gibt auch Theorien, wonach Reinhildis eine Tochter von Jutta von Ravensberg und Graf Heinrich II. von Tecklenburg war und somit eine Gräfin von Tecklenburg gewesen sein könnte. "Es gibt viele Geschichten, da Reinhildis in Westerkappeln eine lange Tradition hat und weil sie eine sehr rätselhafte Gestalt war", sagte Ursula Strietzel.

In der Stadtkirche zeigte die Stadtführerin den Teilnehmern der Führung das Epitaph neben dem Eingang und erzählt dabei die Geschichte der Johanna von Grothaus, die ihren Gatten Bernhard Freiherr von Lüninck in einer Schlacht des Dreißigjährigen Krieges in Lutter am Barenberge verlor. Ihm zu Ehren ließ sie den Epitaph samt Erinnerungstafel anbringen. Bei einer Stadtführung darf natürlich das Haus Cappeln nicht feh len, denn auch hier lebten bedeutende Frauen aus Westerkappeln.

Über Anna von Cappeln hat sich herausgestellt, dass sie nicht eine Nachfolgerin der Freigrafen von Cappeln war, sondern in Besitz des Hauses Cappeln gekommen war, weil sie es von der kinderlosen Familie von Finke erbte. Mit ihrer Heirat mit Dietrich von Lüninck kam eine neue Dynastie nach Westerkappeln, die über 200 Jahre in Besitz des Gutes blieb.

Ihren Abschluss fand die Stadtführung mit der Geschichte des jüdischen Mädchens Hilde Block, das mit seiner Familie an der Osnabrücker Straße lebte. Von diesem Mädchen hat Ursula Strietzel Kinderbilder, die belegen, wie freundschaftlich und gut das Verhältnis der Westerkappelner zur jüdischen Gemeinde im Ort war. Denn die Kinder spielten ganz unbekümmert miteinander.

Dies änderte sich im Nationalsozialismus, denn auch in Westerkappeln kam es zu Ausschreitungen gegen Juden. Hilde Block floh mit ihrer Familie nach Deventer in Holland. Doch dort wurde die Familie von den Nazis gefunden, gefangen genommen und nach Auschwitz gebracht, wo sie 1942 starb.


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