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DFB-Auswahl wendet in letzter Sekunde die erste Niederlage gegen Polen ab Ein 2:2 gegen den „Größenwahn“

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Duell auf hohem Niveau: Jerome Boateng (l.) gegen den Torschützen Robert Lewandowski, der in Dortmund spielt. Foto: dpaDuell auf hohem Niveau: Jerome Boateng (l.) gegen den Torschützen Robert Lewandowski, der in Dortmund spielt. Foto: dpa

Danzig. Als die erste Niederlage der Länderspielgeschichte gegen Polen schon fast perfekt war, drückte Cacau den Ball über die Linie: In der letzten Aktion der Nachspielzeit wendete die deutsche Fußballnationalmannschaft gegen nur noch zehn Polen eine peinliche Niederlage ab und wahrte mit dem 2:2 zumindest halbwegs das Gesicht.

Vor „Größenwahn“ hatte der Bundestrainer gewarnt, wörtlich und im Fachorgan des deutschen Fußballs, dem „Kicker“. Die Niederlage und auch die Leistung vor allem in der Defensive gaben Joachim Löw gestern Recht; mehr als er es sich gewünscht haben dürfte. Auf sieben Positionen hatte Löw seine Startelf im Vergleich zur 6:2-Gala gegen Österreich umgestellt, mit einer Ausnahme – wie am Freitag verteidige Lahm links – präsentierte sich eine neu formierte Abwehr.

Die eigentliche Überraschung des Spiels war der couragierte Auftritt der polnischen Mannschaft. In der von innen wie von außen beeindruckend schönen, bernsteinfarbenen PGE-Arena streifte das Team von Frantisek Smuda schnell die Nervosität ab und setzte gefährliche Konter.

In Führung gehen musste allerdings die DFB-Auswahl, denn ein halbes Dutzend Torchancen gegen eine unsichere polnische Abwehr hätten dazu reichen müssen. Klose scheiterte nach Vorarbeit von Götze (5.), Mertesacker nach einer Ecke (6.), Kroos vergab (32.), und schließlich verfehlten die beiden gebürtigen Polen Podolski und Klose unmittelbar nacheinander ihr ersehntes Tor in der Heimat.

Doch hochkarätiger waren die Möglichkeiten der Polen, die nach dem gleichen Muster entstanden und vereitelt wurden: Mit Steilpässen nach Kontern in das Zentrum der hüftsteifen deutschen Abwehr spielten die Polen dreimal den Kölner Peszko frei. Immer warf sich ihm Wiese im bewährten Kamikaze-Stil vor die Füße, zweimal wehrte der Bremer ab, einmal verfehlte Peszko.

Beim vierten Mal platzte die Gegentor-Versicherung im roten Dress: Nach einem brillanten Solo des Dortmunders Kuba, dem die deutsche Defensive Geleitschutz stellte und einem brillanten Pass auf Dudka brachte Wiese den Polen elfmeterreif zu Fall. Doch Schiedsrichter Orsato ließ Vorteil gelten, ersparte so Wiese den Platzverweise und pfiff erst, als Lewandowski den Ball zum 1:0 ins Tor geschoben hatte (55.).

Spätestens jetzt war die Stimmung in der Arena so, wie sie im nächsten Jahr die auf Platz 65 der Weltrangliste platzierten EM-Gastgeber tragen soll. Die deutsche Mannschaft zeigte Wirkung nach dem Treffer, doch sie ging nicht k.o. Der eingewechselte Müller war bei einem Solo von Glowacki nur durch ein Foul zu stoppen; in Abwesenheit der etatmäßigen Elfmeterschützen Schweinsteiger und Podolski verwandelte Kroos (68.), der überragende Torwart Szcesny lag im falschen Eck.

Kurz danach zeigte der Mann von Arsenal noch einmal seine Klasse, als er einen ansatzlosen Drehschuss von Schürrle an die Latte lenkte. Jetzt schienen die Polen einzuknicken, die Euphorie konnte den Kräfteverlust nicht mehr ausgleichen. Nach der Gelb-Roten Karte gegen Glowacki (81.) kämpften die Polen mit Mumm und Moral und wurden belohnt, als Wiese nach einer ungestümen Rettungsaktion gegen Brozek einen Elfmeter verursachte; Blaszczykowski (90.) verwandelte eiskalt, Polen hatte einen historischen Sieg ganz dicht vor Augen.

Doch der Retter des Abends ebnete den Weg zum Last-Minute-Ausgleich: Müller bediente nach einem typischen Solo mit einer scharfen Rechtsflanke Cacau, der den Ball über die Linie drückte (90. + 3). Vorher hatten alle geredet von den beiden gebürtigen Polen im deutschen Team, doch die erlebten das Ende nach ihren Auswechslungen am Spielfeldrand. Die Geschichte des Spiels schrieb ein gebürtiger Brasilianer.


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