zuletzt aktualisiert vor

80er-Rockmusik gecovert auf hohem Niveau

Begeisterten mit den Werken der legendären „Dire Straits“ ihr Publikum: die „Brothers in Arms“. Foto: Ludger RehmBegeisterten mit den Werken der legendären „Dire Straits“ ihr Publikum: die „Brothers in Arms“. Foto: Ludger Rehm

Jan Rathjen gibt sich erfreut: Selten habe er eine so gute Cover-Band erlebt wie letztes Jahr auf dem Stadtfest, wo „Brothers in Arms“ ihren ersten Bramscher Auftritt hatte. Im Jubiläumsprogramm des Universums wurde dem Publikum jetzt mehr geboten. Ein langer Abend mit den Highlights aus zwei Jahrzehnten Dire-Straits-Musik.

Eine Live-Expedition in vergangene Musikwelten, ein Abstecher ins Mausoleum der Rockgeschichte oder eine Reanimation vergangener Helden. Letzteres könnte man wenigstens glauben, wenn man die Pressestimmen hört, die „Brother in Arms“ als Cover-Band einhellig so beschreiben, als wenn der Sound von Mark Knopfler & Co leibhaftig von der Bühne schallen würde.

Keine Frage, Andreas Leisner und seine Kollegen bieten Rock vom Feinsten, heizen dem Publikum gelungen ein, beherrschen ihr Metier hervorragend und haben die alten Songs gut abgehört. All das sind Kennzeichen einer guten Cover-Band. Aber vom Originalsound sind sie dennoch in allen Belangen ein gutes Stück entfernt. Das vergleichsweise kleine Drumset wird von Oly Wahner zu schematisch traktiert, Andy Krauss bedient den Bass zu druckvoll, den lustvoll gespielten Keys von Tom Willow hört man, allen Programmierkünsten zum Trotz, an, dass sie aus einer anderen Instrumentengeneration stammen, und der baritonale, zum Teil kehlige Gesang des Frontman hat eben auch andere Qualitäten als die morbid-brüchige und leicht angerauchte Stimme Knopflers.

Und trotzdem: „Brothers in Arms“ schwimmen nicht nur auf der Modewelle des Coverns, sie setzen sich ernsthaft mit ihrem großen Vorbild auseinander, wissen um die Aura eines Liveacts und dass diese zur Rockmusik unverbrüchlich dazugehört.

Insofern spricht nichts gegen ein Covern auf hohem Niveau. Und dass der Sound nicht nur vom filigranen und extatischen Gitarrenspiel dominiert wird, sondern auch von einer knackig-druckvollen Rhythmusgruppe, mag in Zeiten harter Technobeats ein Tribut an unmerklich veränderte Hörgewohnheiten sein. Aber: Das restlos begeisterte Publikum zeigt am Ende des Abends mit Standing Ovations, dass das Konzept stimmig ist.

Stimmig ist auch die Choreografie der Songfolge. Nach einigen weniger bekannten Songs kommen vor der Pause drei exeptionelle Hammernummern: Mit „Romeo & Juliet“, „Telegraph Road“ und „Sultan of Swing“ zeigen die Musiker, mit welchem Format Dire Straits Rockgeschichte geschrieben hat. Vor allem der gedankliche und musikalische Reichtum von „Telegraph Road“ wird an diesem Abend voll ausgespielt, und man kann verstehen, dass Mark Knopfler in diesem Song sein Meisterwerk gesehen hat.

Der zweite Teil des Abends findet seinen ersten Höhepunkt in „Money for nothing“ mit seinem extrovertiertem Intro, den harten Riffs und dem markanten Sprechgesang, der ein intelligenter Protest gegen die zunehmende Visualisierung und damit Kommerzialisierung des Musikmarktes durch MTV ist und der wirkungsvoll durch ein fulminantes Basssolo von Andy Krauss beantwortet wird, bevor es zu einem gitarrenkreischenden Schluss kommt. Auch hier realisieren die Musiker eine Musik, die die Botschaft einer Vision, die Sehnsucht nach unentfremdeten Verhältnissen widerspiegelt. Eben gute Rockmusik der Achtziger.

Als Zugaben gibt es dann noch, oder endlich, zwei der populärsten Titel zum Mitsingen und Mitgrooven: Zunächst das melodiöse „So far away“ mit seiner eingängigen Headline, und dann nahtlos ineinanderübergehend das vom Country-Rock geprägte „Walk of Life“ mit seinem Hammondsound-Einwürfen. Doch das Publikum fordert mehr, sodass der „Going Home“-Hit aus dem Soundtrack des Films „Local Hero“ den etwas kitschigen Abschluss bildet.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN