zuletzt aktualisiert vor

Kein Platz mehr für Dr. Brunnert am Brustheilzentrum

Neuorientierung im "Brustheilzentrum" am Osnabrücker Klinikum: Die Kooperation mit dem internationalen Ruf als Spezialist für Rekonstruktions-Operationen genießenden Dr. Klaus Brunnert wurde nach rund viereinhalb Jahren zum 30. Juni beendet. Der neue Gynäkologie-Chefarzt Privatdozent Dr. Pedro Rigidor ist selber Spezialist für Mamma-Chirurgie und deckt den Bereich künftig ab.

"Wir können keine Operationstermine für Osnabrück mehr machen, sondern nur für Melle, Hannover, Berlin oder Frankfurt, wo Dr. Brunnert weiter an Kliniken tätig ist", lautet seit Wochen der Standardsatz des Vorzimmers des Ausnahmemediziners in der Osnabrücker Lürmannstraße. Bis Ende Juni gab es durch Brunnerts Ende 1998 begonnene Kooperation mit dem "Brustheilzentrum" für ihn die Möglichkeit, dort die zeitaufwendigen Eingriffe vorzunehmen. Jetzt werden die OP-Saal-Kapazitäten vom Krankenhaus beansprucht. Grund: Im Gegensatz zum alten Gynäkologie-Chefarzt Prof. Klaus Goeschen, der seinen Schwerpunkt in der Geburtshilfe hatte, ist dessen seit letztem Herbst tätiger Nachfolger auch ausgewiesener Experte für brusterhaltende Eingriffe und Wiederherstellungs-Operationen. Ende letzten Jahres gab ein Gespräch zwischen dem neuen Gynäkologie-Chef Dr. Rigidor und Brunnert, in dem die Weichen für die zum Juli "einvernehmlich" erfolgte Vertragsauflösung gestellt wurden.

Klinikum-Geschäftsführer Hansjörg Hermes: "Die Entscheidung hat nichts mit Dr. Brunnert zu tun, dessen Mitarbeit im Brustheilzentrum gut für das Renommee des Hauses war. Aber auf Grund der neuen Besetzungssituation stellt sich die Frage: Warum weiter eine hochqualifizierte Leistung extern einkaufen, wenn wir selber über einen Fachmann verfügen." Gleichzeitig sieht der 45-Jährige aber auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit für die vorgenommene Veränderung: "Die Budgetierung der Krankenhäuser und die damit verbundene Festlegung von Fallzahlen haben zur Folge, dass eine Fortführung der bisherigen Organisationsform nicht wirtschaftlich ist."

Klaus Brunnert, der seit gestern im Urlaub weilt und Anfang der Woche im Düsseldorfer Innenministerium Gespräche über ein neues Brustzentrum-Projekt führte, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Wohl aber Ehefrau Josephine, die Geschäftsführerin der "Klinik für Senologie" am Evangelischen Krankenhaus in Melle ist: "Wir bedauern die Entwicklung sehr, da sie viele Kassenpatientinnen trifft." Vom "Brustheilzentrum"-Team gab es nach ihren Worten am Ende eine von allen Mitarbeitern unterschriebenen Karte auf der groß "Schade" stand.

Es gibt auch Stimmen, die hinter dem "Aus" für Dr. Brunnert am Klinikum letztlich politische Gründe vermuten. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Michael Hagedorn: "Der Aufsichtsratsvorsitzende Tenfelde hat hier aus Revanchegründen, die mit seinem in der vergangenen Wahlperiode vergeblichen Widerstand gegen die Arbeit Brunnerts am Klinikum erklärt werden können, eine Entscheidung durchgedrückt, die eindeutig zu Lasten der Hilfe suchenden Frauen und ebenso zu Lasten des Klinikums geht." Für Tenfelde ist die ganze Angelegenheit ein "ganz normaler Vorgang", der im Aufsichtsrat auch ohne Gegenstimme zur Kenntnis genommen worden sei.


0 Kommentare