zuletzt aktualisiert vor

Macht der Klassenraum Nummer 13 krank?

Von

"Wir wollen endlich sichere und bewiesene Antworten im Interesse der Gesundheit unserer Kinder", fordert Petra Richter, Elternvertreterin der Klasse 2b an der Ludgerischule in Groß Hesepe. Dort geht es um den Klassenraum Nummer 13, in dem Kinder nach ihrer Aussage zunehmend erkranken würden. "Acht Kinder sind bisher bereits bekannt, die unter zunehmenden Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Brechreiz, Konzentrationsbeschwerden und anderes mehr leiden", betonte Dr. Kroker (FDP), der sich mit Thomas Böhm, FDP-Landratskandidat, und Elternvertretern der Ludgrischule zu einem Informationsaustausch traf. Gemeindedirektor Brinkmann erklärte dazu auf Anfrage: "Wir haben alles Erdenkliche unternommen; es wurde nichts festgestellt. Wir können nicht einfach den Essstrich rausnehmen, den Putz von den Wänden abklopfen, wenn die Gutachter nichts finden".

Seit über einem Jahr bemühen sich die Eltern der erkrankten Kinder um Aufklärung. "Ortstermine mit der Schulleitung, der Gemeinde Geeste, Gutachtern und Gesundheitsamt haben für die betroffenen Kinder nichts gebracht", beklagte Petra Richter. Auffällig für die Eltern sei, dass die Beschwerden der erkrankten Kinder stark nachgelassen hätten, nachdem sie für drei Monate in der Aula untergebracht gewesen seien. Dies habe die Gemeinde Geeste auf Wunsch der Eltern im Januar veranlasst.

Aufgrund der Elterninitiativen wurden im November 2000 im Klassenraum Nummer 13 Raumluftproben entnommen und einer GC-MS-Übersichtsanalyse untersucht. Ebenso wurden betroffene Kinder einer umweltmedizinischen Untersuchung unterzogen. Es erfolgte eine Messung des Elektrosmogs durch Klaus Zurek, woraufhin Tische und Stühle im Klassenraum etwas umgestellt wurden, um eine optimale Sitzposition der Schüler zu erreichen. Ein Gutachten von Dr. Lüpkes und Partner GmbH kam zu dem Ergebnis, dass in der Luft in Raum 13 "keine signifikant erhöhte VOC-Konzentration nachgewiesen" werden kann. Daher seien auch keine gesundheitlichen Effekte bzw. toxikologische Relevanz zu erwarten.

Beteiligt waren ebenfalls das Gesundheitsamt des Landkreises Emsland und Regierungsschuldirektor Alfons Lögering. Auch hier das Fazit, trotz aller Bemühungen durch die Gemeinde Geeste und der entsprechenden Behörden wurde nichts festgestellt. Dem steht das in dieser Veranstaltung vorgelegte Ergebnis der Blutuntersuchung eines Kindes im Labor Ulrich Fischer-Brügge und Partner entgegen, das einen dreifach erhöhten PCB-Wert ergab, der allerdings mit 0,03(g/l statt 0,01(g/l unter dem gesetzlich zulässigen Wert liegt.

Als "seltsam" empfand Gemeindedirektor Brinkmann, wie er gestern gegenüber unserer Zeitung erklärte, dass er als Verwaltungschef nicht zu diesem Gespräch eingeladen worden sei, obwohl der Landratskandidat Böhm vorher mit ihm telefoniert habe und über die Sachlage informiert worden sei. Auch den Eltern seien die bisher gemachten Gutachten, die zu keinem Ergebnis geführt hätten, zur Verfügung gestellt worden "Wir haben von seiten der Gemeinde nichts zu verbergen, und ich hätte mich gerne zu den Vorwürfen geäußert. "Wenn irgendwie Ursachen nachgewiesen worden wären, dass die Erkrankungen der Kinder am Klassenraum Nummer 13 liegen, hätten wir sofort gehandelt", so der Verwaltungschef. "Aber was sollen wir machen, wenn nichts ermittelt wurde?", fragte Brinkmann. Ohne irgendeinen Nachweis könne man es sich nicht leisten, einen guten Klassenraum einfach leer stehen zu lassen.

Die betroffenen Eltern sind nach wie vor besorgt und wollen jetzt im Herbst das Blut der Kinder untersuchen , die nach den Sommerferien eine anderen Klassenraum besuchen. "Dann werden wir nachweisen können, dass die PCB-Erhöhung im Klassenraum Nummer 13 entstanden ist", machte Petra Richter deutlich. Elternvertreter Hermann Hellmer betonte, die Belastung für die Eltern sei groß. "Auch wenn meine Kinder nicht zu den erkrankten gehören, fordern wir weitere Untersuchungen und Aufklärung". Als eine mögliche Erklärung für die Auffälligkeiten nannten die Elternvertreter den neuen Sendemast der Ortsfeuerwehr. Mögliche Auswirkungen durch Elektrosmog müssten deshalb ebenso abgeklärt werden wie eventuelle Gefährdungen durch Baustoffe, Farben in dem Klassenraum durch einen anerkannten Gutachter noch einmal untersucht werden müssten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN