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Der Ikenstein ist gefunden worden

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„Ich glaube, hier ist er, hier sollten wir graben.“ Es war kurz vor 13 Uhr am vergangenen Samstag, als der Leiter des Emslandmuseums in Lingen, Dr. Andreas Eyinck, am linken Ufer der Ems bei Hanekenfähr mit einer Wasserdrucklanze mehrmals auf massiven Widerstand stieß. Er sollte mit seiner Vermutung recht behalten: Nur rund 20 Meter vom vermuteten Ort war die Gruppe engagierter Heimatfreunde auf den Ikenstein gestoßen.

Der Ikenstein – sogar eine Sage windet sich um die Geschichte dieses Findlings, der in den 50er-Jahren unter Naturschutz gestellt worden war. Doch dann geriet der Stein in Vergessenheit, obschon er in den aktuellen Falk-Plänen der Stadt Lingen noch immer verzeichnet ist. Bei der Neubefestigung des Emsufers im Jahr 1953 war der Ikenstein schließlich im Weg. Ihn höher zu positionieren scheiterte jedoch, da die Bagger seinerzeit nicht stark genug waren, den Koloss zu bewegen. So muss er in der Nähe oder sogar in der Ems versenkt worden sein.

Der engagierte Lingener Heimatforscher Reinhard Bojer wurde schließlich auf den Stein und die Sage aufmerksam und setzte sich zum Ziel, den Ikenstein zu suchen und ihn vielleicht wieder zu einem Ausflugsziel wie in früheren Jahren zu machen. Mitstreiter waren schnell gefunden, und Anfang des Jahres stellte er im Gasthof Bösker erstmals seine Forschungsergebnisse vor. Eine Mitte April vorgenommene Grabung und auch ein Aufruf an Zeitzeugen oder Besitzer von weiteren Fotos des Ikensteines, sich zu melden, führte noch nicht zum Erfolg.

Eine Karte aus dem Archiv des Lingener Katasteramtes brachte letztlich Licht ins Dunkel: Mithilfe eines sogenannten Handrisses aus dem Jahr 1873 und modernster GPS-Technik gelang es Mitarbeitern des Katasteramtes, die Lage des Findlings messtechnisch zu ermitteln.

So stand das Helferteam um Reinhard Bojer am vergangenen Samstag an der Ems wieder buchstäblich im Dreck, um dem Ikenstein mit Wasserlanzen endlich zu Leibe zu rücken. Nach den Treffern von Museumsleiter Eyinck entstand am Emsufer so schnell ein beachtliches Loch. Dann war es so weit: Der Kopf eines monumentalen Findlings zeichnete sich ab, und trotz nasser Füße und kalter Hände herrschte bei den Heimatfreunden eine ausgelassene Stimmung. „Die wirkliche Größe des Steines lässt sich nun erahnen. Er wird wahrscheinlich zwischen 10 und 20 Tonnen wiegen und etwa die Größe eines Pkw haben“, erklärte Bojer. Nun soll der Stein in nächster Zeit geborgen werden und gut sichtbar seinen endgültigen Standort erhalten. „Nun soll geprüft werden, ob der ‚Düwelssteen‘ durch einen entsprechenden Unterbau auf den beim 1946er-Hochwasser gemessenen höchsten Emsstand gebracht werden kann“, wagte Bojer einen Blick in die Zukunft.

Auf jeden Fall soll aber auch wieder an die Ikensteinsage erinnert werden. „Heinrich Schepergerdes (der Inhaber vom Hotel Am Wasserfall; Anm. d. Verf.) hat bereits zugesagt, dass, wenn der Stein am anderen Emsufer gefunden wird, er einen bronzenen Hahn an ‚seiner‘ Emsseite aufstellen wird. Und das ist nun der Fall. Ich bin schon gespannt, wie diese Geschichte weitergeht“, freute sich Bojer, der mit seinen Nachforschungen all dies erst in Gang gebracht hatte.

Und wenn es nach Reinhard Bojer geht, sollte die Umsetzung des tonnenschweren Steines am 13. August durchgeführt werden: „Denn der Sage nach wurde der Ikenstein beim Bau der 13 Kilometer weit entfernten Burg Bentheim vom Teufel nach Hanekenfähr geworfen, der Stein wurde von 13 Helfern gegen 13 Uhr freigelegt, und dies geschah 13 Jahre nach Aufhebung seiner Unterdenkmalstellung.“ Und der 13. August ist in diesem Jahr der einzige „Freitag, der 13“.


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