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Weitere Babys an Mainzer Uniklinik in kritischem Zustand Zwei Säuglinge sterben wegen verunreinigter Infusion

Von dpa

Mainz. Der Tod tropfte aus der Infusionsflasche, die eigentlich Leben retten sollte: Zwei schwer kranke Säuglinge sind am Samstag auf der Intensivstation der Mainzer Universitätsklinik gestorben, nachdem sie dort eine mit Enterobacter-Darmbakterien verschmutzte Flüssignahrung bekamen. Die Ärzte bangten um das Leben von zwei weiteren kleinen Patienten, deren Zustand „sehr kritisch“ sei. „Dort befürchten wir Schlimmes“, sagte der Oberarzt der Kinder-Intensivstation Ralf-Gunter Huth gestern Abend in der Klinik. Drei andere Kinder, die die verunreinigte Infusionslösung auch erhielten, waren gestern ebenfalls noch in einem „kritischen“ Zustand.

Es waren die Allerschwächsten, die Opfer des Enterobacter-Bakteriums wurden. Die beiden Säuglinge, die starben, hatten sich wegen Herzfehlern auf der Intensivstation befunden. Das zwei Monate alte Baby war ein „Frühchen“ – und das andere auch gerade mal acht Monate alt. In der Universitätsmedizin, wo 6500 Menschen arbeiten und 3500 junge Leute studieren, löste die Nachricht von der Katastrophe auf der Intensivstation fieberhafte Aktivitäten aus. Huth sagte, noch sei nicht geklärt, wie das Bakterium in die Nährlösung gelangte.

Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass dies bei den externen Herstellern von einzelnen Komponenten für die Infusionen geschehen sei. Wohl eher sei das Bakterium – allen Sicherheitsvorschriften zum Trotz – beim Zusammenmischen zu „patientenindividuellen“ Infusionen hineingeraten. Die Infusionen kamen aus der hauseigenen Apotheke der Universitätsmedizin Mainz. Dort wurden sie – wie immer – gesondert für jedes Kind hergestellt. Die „Verkeimung“ dieser Infusionen sei bei der täglichen Überwachung der Produkte durch das Institut für Mikrobiologie und Hygiene festgestellt worden. „Mit Hochdruck“ werde „innerhalb der gesamten Herstellungskette“ der Infusionen nach der genauen Ursache gesucht, hieß es. Die zuständigen Behörden seien „unverzüglich informiert und eingebunden worden“, teilte der Vorstandsvorsitzende Professor Norbert Pfeiffer mit. Damit sind nicht nur die Aufsichtsgremien gemeint: Auch die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. Mit den Untersuchungen wurde vorsorglich die Gerichtsmedizin in Frankfurt beauftragt, teilte die Mainzer Staatsanwaltschaft mit. Damit solle von vornherein dem Vorwurf begegnet werden, die Mainzer Gerichtsmedizin sei nicht neutral genug.Kinder, die „anderweitig portionierte Medikamente erhalten haben“ seien nicht erkrankt, teilte das Klinikum mit. Die Nutzung der verdächtigen Lösungen sei sofort gestoppt, die aktuell verwendeten Infusionen durch Präparate anderer Hersteller ausgetauscht worden.„Unser tiefes Mitgefühl gilt den Eltern und Angehörigen der verstorbenen Kinder“, teilte Pfeiffer mit. Die rheinland- pfälzische Wissenschaftsministerin Doris Ahnen (SPD), die auch Aufsichtsratsvorsitzende der Universitätsmedizin ist, reagierte „mit großer Bestürzung und tiefer Betroffenheit“ auf die Todesfälle. Sie versprach eine lückenlose Aufklärung der „tragischen Ereignisse“.Die Universitätsmedizin Mainz, erst im Januar 2009 durch den Zusammenschluss des Universitätsklinikums und des Fachbereichs Medizin der Johannes Gutenberg-Universität entstanden, wurde durch die Bakterien in den Infusionsflaschen schwer getroffen. Höchste Qualität wollte die neue Universitätsmedizin liefern. Im „Leitbild“ des Klinikums heißt es schließlich: „Wir leisten bestmögliche medizinische und pflegerische Versorgung für die Patientinnen und Patienten, die sich uns anvertrauen.“