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Werder: Allofs bittet um Vergebung Ex-Meister am Abgrund

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Hamburg. Der Blick aus den tiefen Augenhöhlen ging in die Ferne, die Miene wirkte versteinert: Wie in Trance lief Werder Bremens Abwehrchef Per Mertesacker nach der 0:4-Pleite im Nordderby beim Hamburger SV durch das Gewühl im Stadion-Innenraum. Werder, der Meister von 2004, rangiert nur noch einen Punkt über der Abstiegszone – die Luft wird auch angesichts des desaströsen Torverhältnisses immer dünner.

„Das war wirklich ein rabenschwarzer Tag, der nicht leicht zu verkraften ist“, sagte Mertesacker später leise, bevor er im Mannschaftsbus verschwand. Die ersten drei der vier HSV-Tore hatte er mit verursacht: Vor Petrics 1:0 hatte er erst eine Kerze geschlagen und dann mit einem viel zu scharfen Pass auf Mikael Silvestre am Strafraum den Ballverlust provoziert. Beim zweiten Tor ließ er sich das Leder von Petric klauen, beim dritten Treffer verstolperte er den Ball in einem überflüssigen Dribbling. Ohne Mertesacker direkt zu erwähnen, konnte Kapitän Torsten Frings seinen Frust darüber nur mühsam verbergen: „Wenn Spieler immer wieder diese Fehler machen, darf man mal die Frage stellen, ob sie es überhaupt noch können“, rutschte es ihm heraus, bevor er die Kritik an der Defensivleistung noch schnell auf das ganze Team ausweitete.

Mertesacker indisponiert, Naldo langzeitverletzt und die seit Jahren bekannten Schwachstellen auf den Außenverteidigerpositionen nicht gelöst: Vorbei sind die Zeiten, in denen Bremen hinten zumindest einigermaßen sicher stand und das Spiel durch flinken Kombinationsfußball prägte. In Hamburg war von der Werder-Offensive nichts zu sehen: Stürmer Marko Arnautovic wirkte wie ein Fremdkörper, Leichtgewicht Marko Marin sah gegen körperlich überlegene Hamburger kein Land. Jetzt rächt sich, dass Werder für Kreativspieler Mesut Özil keinen gleichwertigen Ersatz geholt und im Winter mit Hugo Almeida den treffsichersten Stürmer (neun Tore) einfach abgegeben hat. Dieser Verlust an Qualität trägt dazu bei, dass Werder diesmal wohl nicht wie zuletzt mit einer starken Rückserie Schwächephasen aus der Vorrunde egalisieren kann.

Kritik an der Transferpolitik bügelte Klaus Allofs jedoch ab: „Diese Riesenfehler, die man so nicht machen darf, sind heute auf den Positionen gemacht worden, wo die Mannschaft nicht verändert worden ist“, so der Werder-Geschäftsführer, der verlangte, dass sich das Team der Kritik stellen müsse. Das musste es bereits am Samstagabend, als etwa 250 Fans in Bremen den zurückkehrenden Mannschaftsbus blockierten und mit Trainer und Spielern diskutierten. „Wir müssen um Vergebung bitten für unsere Leistung, so etwas darf man nicht abliefern“, sagte Allofs. „Das ist ein bitterer Moment. Da kann man sich als Bremer nur schämen“, meinte Frings.

Eines wurde dort einmal mehr deutlich: Trainer Thomas Schaaf („Wir haben heute richtig einen auf die Mütze gekriegt und müssen zusehen, dass wir wieder in die Spur kommen“) steht bei Werder weiter nicht zur Disposition. Zumindest das ist genauso wie in den vergangenen erfolgreicheren Jahren.

Vorstandsvorsitzender Klaus Allofs sagt Schaaf volle Rückendeckung zu. „Diese Frage stellt sich nicht. Gerade wenn man sieht, dass der Trainer in intensiven Planungen für die nächste Saison steht. Das wird man nicht tun, wenn man aufhören möchte“, argumentierte Allofs.


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