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Wir wollen das Objekt keineswegs liegen lassen

Werlte/Meppen (kd).
,,800.000 DM zu ersten, zum zweiten und zum dritten." Nur ein Gebot war gestern bei der Zwangsversteigerung des Werlte Centers im Amtsgericht Meppen abgegeben worden. Und dem verwehrte Diplom-Rechtspfleger Sigurd Klein den Zuschlag, da es deutlich unter der vom Gericht festgelegten Mindestsumme lag.


Mit fünf Millionen DM war der Verkehrswert der Immobilie im Werlter Ortskern angegeben worden. Mindestens 50 Prozent davon hätte ein potentieller Käufer auf den Tisch legen müssen, um den Gebäudekomplex zu erwerben. Ein ernsthafter Interessent fand sich gestern in der auf eine halbe Stunde festgelegten Versteigerungszeit allerdings nicht ein. In rund fünf Monaten werde ein neuer Termin anberaumt sein, zeigte Klein den Fortgang des Verfahrens auf. Bis dahin steht das Center an der Loruper Straße wie bislang schon unter der Institutsverwaltung von Klaus-Peter Viering, der als Mitarbeiter der Aachener und Münchener Versicherung seit November für diese Aufgabe von anderen Verpflichtungen in den Unternehmen entbunden ist.

Die Aachener und Münchener Lebensversicherung AG gilt auch als potentieller Investor, der das Einkaufs- und Freizeitzentrum erwerben und weiter ausbauen will. ,,Wir wollen das Objekt keineswegs liegen lassen, sondern den Komplex optimieren", untermauerte Rudolf Megow, Gruppenleiter im Bereich Immobilienfinanzierung, das bestehende Interesse seines Hauses an dem Center. Da kurzfristig neue Partner eine Beteiligung signalisiert hätten, habe man den Kauftermin am Donnerstag zunächst verstreichen lassen.

,,Unser Ziel ist es, eine vernüftige Lösung zu erreichen, die auch Werlte gut zu Gesicht steht," betonte Medow. Dazu gehöre ebenfalls, dass das Kino-Projekt fest in den Gestaltungsrahmen eingebunden sei. Im Übrigen habe die Aachener und Münchener schon einiges in den Gebäudekomplex investiert, ebenfalls dies unterstreiche den Willen des Unternehmens die Immobilie einer zukunftsfähigen und rentierlichen Nutzung zuzuführen.

Der Versicherungskonzern mit Sitz in Aachen ist mit einer eingetragenen Grundschuld von gut zwölf Millionen DM Hauptgläubiger für das Center, das dem Herner Geschäftsmann Ingo Petersmann gehörte. Im Sommer vergangenen Jahres war der Werlter Gebäudekomplex in den Sog einer Betrugsaffäre um Immobilien - und Leasinggeschäfte, die vornehmlich im Ruhrgebiet spielte, geraten. Die Staatsanwaltschaft wirft Petersmann vor, Banken, Versicherungen und Leasingfirmen mit ,,Luftgeschäften" um einige hundert Millionen DM geprellt zu haben.

Über den Winter werden die Räumlichkeiten im Center nach der gescheiterten Versteigerung damit unter der Verwaltung von Klaus-Peter Viering verblieben. Gut eine halbe Million DM hat die Aachener und Münchener Versicherung nach Angaben von Zwangsversteigerer Sigurd Klein bislang in den Unterhalt der Immobilie gesteckt. Eingegangen sei bei ihm inzwischen ein Antrag, weitere 250.000 DM aufzuwenden. Die Gelder erhält die Versicherung vom Käufer des Gebäudekompklexes erstattet.