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Zuwachs von 45 Prozent in 6 Jahren Ein Landkreis voller Kolben: Maisanbau im Osnabrücker Land hat stark zugenommen

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Osnabrück. Mais. Überall Mais. An Stellen, wo sich Spaziergängern einst wunderbare Ausblicke auf das Osnabrücker Land boten, steht nun eine zwei Meter hohe grüne Wand im Weg. Der Eindruck täuscht nicht: Der Maisanbau im Landkreis folgt dem bundesweiten Trend nach oben.

Die Fakten: Ein Blick auf die Statistik der niedersächsischen Landwirtschaftskammer (LWK) macht deutlich, was im Landkreis geschieht: Wurde 2005 noch auf 23,5 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche Mais angebaut, waren es 2011 bereits 34,1 Prozent. Ein Zuwachs also von 45 Prozent – das entspricht in etwa dem Bundestrend. Besonders gravierend ist die sogenannte Vermaisung im Altkreis Bersenbrück. Hier sind bereits 42,2 Prozent der Ackerfläche von Mais bedeckt. In diesem Jahr dürfte der Wert sogar noch höher liegen. Schuld ist der strenge Frost, der den Bestand des Wintergetreides Anfang des Jahres arg dezimierte. Viele Landwirte reagierten, indem sie noch rasch Mais legten.

Die Naturschützer und die Jägerschaft: „Es ist besonders gravierend, wenn es um die Menge des Grünlandes geht“, sagt Andreas Peters, Vorsitzender des Naturschutzbundes (NABU) Osnabrück. Vor allem Feld- und Wiesenvögel wie Lerche und Kiebitz würden immer weiter verdrängt. Auch den Jägern macht der Maisanbau Sorgen. Für kleine Tiere sehe ein Maisfeld aus wie eine Wüstenlandschaft, sagt Kreisjägermeister Helmut Spieker: „Unten, im Bereich der Stängel, ist toter Raum.“

Noch ein Problem ist die Düngung, die der Mais sehr gut verträgt – und die der Boden benötigt, wenn die Fruchtfolge nicht mehr eingehalten und Mais auf Mais gepflanzt wird. „Die Gülle sickert letztlich ins Grundwasser“, warnt Peters.

„Die Einzigen, die den Mais gut finden, sind die Wildschweine“, sagt Kreisjägermeister Spieker. Und die breiten sich rasant aus. „Früher gab es Wildschweine überwiegend in großen Waldstücken, vor allem im Wiehengebirge und im Teutoburger Wald“, so Spieker. Jetzt seien sie überall zu finden. Seien früher etwa 100 Wildschweine jährlich im Osnabrücker Land erlegt worden, seien es nun 500 bis 700.

Die Jäger haben die sogenannte Hegeverpflichtung. Sie müssen dafür sorgen, dass Rückzugsmöglichkeiten für Tiere entstehen. Dafür pflanzen sie Hecken und Blühstreifen zwischen Feldern an. „Das wird immer schwieriger“, sagt Spieker. „Die Pachtpreise steigen durch die Biogasanlagen immer weiter an, und fast niemand möchte mehr Felder verpachten, die dann brachliegen.“

Die Biogasanlagen: Es klingt einleuchtend, die wachsende Zahl von Biogasanlagen führt zu mehr Maisanbau. Aber die Statistiker sagen etwas anderes. „Der Zusammenhang ist gar nicht so klar, wie man glaubt“, erläutert Silke Dahl, Fachgebietsleiterin Landwirtschaft beim Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen. Ein mindestens genauso wichtiger Faktor sei die Tiermast. „Gerade da, wo in Niedersachsen viele Biogasanlagen stehen, haben wir auch viele Tiere“, sagt Dahl und verweist etwa auf das Emsland. Anders im Heidekreis: „Da gibt es viele Biogasanlagen, aber gar nicht so viel Mais“, so Dahl. „Die haben nämlich kaum Tiere.“

78 vorhandene und geplante Biogasanlagen zählt die LWK im Landkreis Osnabrück. Insgesamt erzeugen sie 29000 Kilowatt Strom. Sie benötigen etwa 9400 Hektar Mais, schätzt die LWK grob. Ohne Berücksichtigung der Nachbarkreise, deren Anlagen und deren Maisproduktion sind das 7,5 Prozent der Ackerfläche im Osnabrücker Land. Der überwiegende Teil des Maises wird also auch in unserer Region verfüttert.

Das Landvolk: Albert Schulte to Brinke, stellvertretender Vorsitzender des Osnabrücker Landvolkes, sieht im Maisanbau kein Problem – im Gegenteil: „Der Mais ist eine hervorragende Pflanze“, sagt der Landwirt aus Bad Iburg. Als Futterpflanze sei der Mais inzwischen unverzichtbar. „Er produziert erheblich mehr Energie als andere Pflanzen.“ Der Landwirt zählt noch mehr Vorteile auf: „Mais verlangt wenig Pflanzenschutzmittel und kommt gut mit Trockenheit klar.“ Durch den Klimawandel werde er wohl noch wichtiger werden. Bedenken, dass die Pflanze den Boden auszehre, hat Schulte to Brinke nicht. „Wir haben hier den entsprechenden Tierbesatz und können dann wieder düngen.“

Und was ist mit der Gefahr für die Tierwelt? „Alles, was in Monokultur angebaut wird, mindert natürlich die Artenvielfalt“, sagt Schulte to Brinke. Aber dieses Problem sieht er im Osnabrücker Land nicht. „Die Gegend hier ähnelt doch eher einer Parklandschaft mit viel Wald und vielen Grünflächen.“


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