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Schnaps in Tüten: Neue Versuchung für junge Leute

GUT VERSTECKT: Die Alkotüten passen in Taschen und Hosenaufschläge und sind vom Sicherheitspersonal nicht zu ertasten. Crimex-Mitarbeiterin Klaudia Butum zeigt, wie's geht. Ihr Chef Claus Roeting (links) ist vom Erfolg seiner "Aufreiszer" fest überzeugt.GUT VERSTECKT: Die Alkotüten passen in Taschen und Hosenaufschläge und sind vom Sicherheitspersonal nicht zu ertasten. Crimex-Mitarbeiterin Klaudia Butum zeigt, wie's geht. Ihr Chef Claus Roeting (links) ist vom Erfolg seiner "Aufreiszer" fest überzeugt.

Der Flachmann hat ausgedient, es kommt der Schnaps in Tüten - und zwar aus Osnabrück. Claus Roeting bringt den "Aufreiszer" auf den Markt: Er kostet 99 Cent, passt in jede Hosentasche und wird es jungen Leuten erleichtern, Alkohol in die Disko zu schmuggeln.

Der Osnabrücker Marketingfachmann und Erfinder verhehlt nicht, dass die Aluminium-Tüten genau für jene gedacht sind, die sich die sechs Euro für ein Mixgetränk im Abendlokal sparen wollen. Der "Aufreiszer" (www.aufreiszer.de) kommt daher wie die Probepackung eines Duschgels. Die Tüte enthält ein Schnapsglas voll Wodka, Whisky, Weinbrand, Gin, Rum oder Korn. Sie ist so groß wie ein 20-Euro-Schein und passt sogar ins Portemonnaie. Kess der Werbespruch: "Reisz mich auf und mach mich alle."

Der Reiz dieser Superflachmänner liegt im Verborgenen. Die Sicherheitsleute am Stadiontor, am Eingang zum Open-Air-Konzert oder die Disko-Türsteher können die Tüten kaum ertasten. Und wenn sie eine Tüte in den Griff bekommen sollten, werden sie kaum reagieren. Denn die Aufpasser sind auf sind harte Gegenstände geeicht, auf Dosen und Flaschen.

Claus Roeting, Gründer und Chef der Marketingfirma Crimex, hat vor Jahren den schiefen Suppenteller auf den Markt gebracht. Der "Aufreiszer", davon ist er fest überzeugt, wird den Erfolg des Tellers bei weitem übertreffen. Adressaten sind junge Leute, die auf jeden Euro achten müssen: An der Theke kaufen sie eine Cola und reichern sie mit dem Tütendrink an.

Das Marketingkonzept reicht noch weiter: Die Osnabrücker Modemacher "YN2" haben Hosen mit Extrataschen für die Alkotüten entworfen. "Das ist einmalig in der Welt", sagt Roeting: Bekleidung, die nur an Kunden über 18 verkauft werden darf. Denn die Hosen gehen mit Inhalt über den Ladentisch.

400000 Tüten hat Roeting von einer Stuttgarter Firma abfüllen lassen. Mit großen Lebensmittelketten und Discountern steht er in Kontakt. Diese hätten "begeistert" reagiert, sagt er. An der Tankstellen-Kasse werde der "Aufreiszer" bald zu haben sein und vielleicht auch in dem einen oder anderen Billigflieger auf dem Weg in den Süden.

Verführt der Tütendrink nicht junge Leute zum Alkohol? Nein, sagt Roeting, ein schlechtes Gewissen habe er nicht. "Wenn ich es nicht mache, macht es ein anderer." Seine Erfindung werde keinen Jugendlichen zum Trinken verleiten, der nicht auf anderem Wege auch an den Alkohol kommen könnte.


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