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Ex-Außenminister: Verhältnis zu Polen auf gutem Weg

Von dpa

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Lübeck. Noch vor 20 Jahren hatten 80 Prozent der Polen Angst vor den Deutschen. Heute sieht die Mehrheit des Landes in den Deutschen gute Nachbarn und Partner. Das ehemals schwierige Verhältnis zwischen den Nachbarn rechts und links von Oder und Neiße habe sich seit dem Fall der Mauer erfreulich gut entwickelt. Zu dieser Einschätzung kamen die früheren Außenminister Wladislaw Bartoszewski und Wlodzimierz Cimoszewicz (Polen) sowie Hans-Dietrich Genscher und Joschka Fischer jetzt bei einer Diskussion in Lübeck.

Eine wichtige Rolle bei der weiteren Entwicklung des Verhältnisses kommt nach Ansicht der Politiker der Jugend zu. „Solange die Kriegsgeneration noch lebt, wird es keine volle Normalität im Verhältnis zwischen Deutschland und Polen geben. Meine Generation muss einfach taktvoll aussterben“, sagte Bartoszewski. Der 88-Jährige war 1995 und noch einmal von 2000 bis 2001 Außenminister Polens und hat viele Jahre an deutschen Hochschulen gelehrt.

Zu der Diskussion hatte das Lübecker Günter-Grass-Haus in Zusammenarbeit mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ eingeladen. Im Günter-Grass-Haus läuft zurzeit eine Ausstellung mit dem Titel „Von Danzig nach Lübeck. Günter Grass und Polen“.

Es war eine hochkarätige Runde, die da im Theater Lübeck zwischen rot-weißen Blumengestecken Platz genommen hatte. In die rund 30 Jahre, in denen die Teilnehmer politische Verantwortung trugen, fielen wichtige Schritte zur Annäherung: die Gründung der Gewerkschaft „Solidarnosc als Vorreiter des Umbruchs im Ostblock, der Fall des Eisernen Vorhangs, die Unterzeichnung des Grenzvertrags, der die Unverletzlichkeit der Staatsgrenzen garantiert, dem Beitritt Polens zur NATO und zur Europäischen Union. Zudem saß mit dem 88- jährigen Auschwitz-Überlebenden Bartoszewski ein Mann in der Runde, der die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten in Polen am eigenen Leib gespürt hat. „Wenn gewisse Leute sagen, Polen hätte Hitlers Angriff provoziert, ist das einfach naiv“, sagte er in Anspielung auf die umstrittenen Äußerungen der Vertriebenen- Präsidentin Erika Steinbach, ohne sie namentlich zu nennen.Die Diskutanten richteten ihre Blicke auch in die Zukunft. Bei der Suche nach einer gemeinsamen Sicherheitsstrategie zwischen Deutschland, Frankreich und Russland müsse auch Polen einbezogen werden, forderte Fischerund bekam darin Unterstützung von Cimoszewicz.

„Frankreich, Deutschland und Polen sind die Seele Europas. Sie müssen gemeinsam ein Verhältnis zu Russland aufbauen, das gut für Europa ist“, sagte Ex-Außenminister Genscher.Für alle Diskussionsteilnehmer ist das gute Miteinander der Bürger beider Länder genau so wichtig, wie die Verständigung auf politischer Ebene. „Das hat sich zwischen Berlin und Stettin allen Unkenrufen zum Trotz prächtig entwickelt, da ist ein gemeinsamer Wirtschaftsraum und Arbeitsmarkt entstanden“, berichtete Fischer. Bartoszewski sagte: „Wir brauchen keine Liebe, sondern Normalität.“


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