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"Karosserieschneider" wurde zum Ehrenmitglied

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Melle.
Der 90jährige Karossieriebauer Johannes Beskow aus Osnabrück wurde als Anerkennung für seine besonderen fachhistorischen Kenntnisse in den Berliner Verein aufgenommen, der sonst nur Journalisten, Archivare und Historiker in seinen Reihen hat.

Die 1997 in Berlin gegründete Automobilhistorische Gesellschaft vereinigte unter ihren 34 Mitgliedern alle namhaften Fachleute aus den Reihen der Presse, die derzeit Artikel und Reportagen rund um die Geschichte des Automobils veröffentlichen. Für ihre Jahrestagung sucht sich die Standesvereinigung jeweils einen Ort mit historischer Bedeutung aus. Das Gasthaus Hubertus in Föckinghausen werde als Tagungslokal gewählt, da weder die Karmann Werke in Osnabrück noch das Automuseum Melle weit entfernt sind.

Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Teilnehmer dem Vortrag des 90-jährigen Karosseriebauers Johann Beskow aus Osnabrück. Dieser begann vor 74 Jahren seine Karriere bei „Erdmann & Rossi“. Dazu muss man wissen, dass sich in der Weimarer Republik vorwiegend reiche Menschen ein Auto leisten konnten. Sie bestellten das Fahrwerk inklusive Motor bei Herstellern wie Daimler-Benz und ließen sich die Aufbauten nach exklusiven Wünschen von Spezialfirmen zurechtschneiden, weshalb damals noch der Berufsstand des „Karosserieschneiders“ existierte. In späteren Jahren wechselte Johannes Beskow zu Karmann nach Osnabrück, war dort maßgeblich an der Entwicklung des berühmten Karmann Ghia beteiligt und ging 1976 in den Ruhestand.

In den 20er und 30er Jahren war den Reichen häufig das Teuerste gerade gut genug, und so wurden damals schon Luxusgefährte für die Oberklasse angefertigt, die schnell auf dem freien Markt einen Gegenwert erzielten, für den andere zwei Einfamilienhäuser bauten. Einige dieser motorisierten Kapitalanlagen sind heute noch im Automuseum Melle zu sehen. Im Rahmen einer Führung unter fachkundiger Anleitung des Mitgesellschafters Heiner Rössler gerieten nicht nur die Mitglieder der Automobilhistorischen Gesellschaft, sondern auch Johannes Beskow als einer der berühmtesten Karosseriedesigner Deutschlands ins Staunen, was sich hinter den Mauern der einstigen Möbelfabrik an der Pestelstraße verbirgt.

Gemeinsam mit Heiner Rössler, der unumstritten als Motor des Automuseums Melle gelten darf, und Johannes Beskow wurde beim Gang durch die hiesigen Ausstellungshallen geschwärmt und gefachsimpelt. Hier begegnete der Karosseriedesigner den eigenen Spuren wieder, die er in seinem langen Leben hinterlassen hat. Seine eingestreuten Anekdoten waren daher umso humurvoller und lehrreicher. Da konnte selbst Heiner Rössler noch einiges lernen, was bei einem Fachmann für Oldtimer seines Wissensstandes alles andere als einfach ist. „Wenn uns dann noch sowohl Johannes Beskow als auch die Automobilhistorische Gesellschaft bescheinigen“, resümiert Heiner Rössler nicht ohne Stolz, „dass wir in Melle ein äußerst interessantes Museum mit außergewöhnlichen Ausstellungsstücken haben, kann man darüber mehr als nur zufrieden sein.“

Die Kenntnisse von Johannes Beskow als Zeitzeuge aus den Anfängen des Automobils waren auch ausschlaggebend für die Entscheidung der Automobilhistorischen Gesellschaft, den Osnabrücker Karosseriedesigner als Ehrenmitglied in ihre Reihen aufzunehmen. Dies ist durchaus ungewöhnlich und einzigartig, das ansonsten ausschließlich Journalisten, Archivare sowie Historiker in den Reihen des Berliner Verbandes vertreten sind. Sie publizieren bundesweit in allen bekannten Fachzeitschriften und haben zusammen genommen bisher über 500 Bücher veröffentlicht.


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