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Vom Flakturm zum Sonnenturm

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Westerkappeln (gre)
"Vom Flakturm zum Sonnenturm" heißt das Projekt, das der Westerkappelner Kultur- und Heimatverein in Seeste in Angriff nehmen wollte. Allerdings wurde die dafür eingereichte Konzeptstudie von den Behörden abgelehnt. Vorgesehen war, in dem Turm eine Ausstellung über die Kriegszeit in der Region sowie über Naturkundliches zu präsentieren. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach sollte den Strom liefern.

Bei dieser Aktion erhielt der Kultur- und Heimatverein maßgebliche Unterstützung des Naturschützers Friedhelm Scheel. Bei der vorgesehenen Umnutzung des Gebäudes an der Halener Straße waren zwei Ausstellungen geplant. Im Erdgeschoss des letzten vorhandenen der drei Flaktürme, die einst zur Sicherung des Flugplatzes in Achmer errichtet wurden, sollte eine Ausstellung zur ehemaligen Luftwaffenbasis Achmer zusammengestellt werden. Dabei sollte die dort eingesetzte Flugzeugtechnik und deren Auswirkung auf die heutige Zivilluftfahrt dargestellt werden; aber auch Leid und Elend, die die Bevölkerung durch die Bombenangriffe in Westerkappeln erlitten hat.

Der Raum des oberen Geschosses sollte eine Ausstellung zum Naturschutz des Gebietes "Vogelpohl" beherbergen sowie auf das Feuchtwiesenprogramm in NRW aufmerksam machen. Nisthilfen am und im Gebäude hätten den Besuchern einen Einblick in die Kinderstube der einheimischen Vögel geben können. Schließlich war geplant, die zirka 1,2 Meter hohe Brüstung auf dem Dach in eine Pultdachkonstruktion einzubinden, auf dem ganzflächig eine Photovoltaikanlage (Strom durch Sonnenlicht) installiert werden sollte.

Der im Jahr 1939 gebaute Turm, auf dessen Dach früher eine Vierlingsflak tief fliegende Jagdbomber der alliierten Streitkräfte abwehren sollte, beherbergte nach Kriegsende Flüchtlingsfamilien, war dann Wochenendhaus und schließlich Viehunterstand. Derzeit ist das Bauwerk mit einer Grundfläche von 33 Quadratmetern Wind und Wetter ausgesetzt. Ein Zugang sowie einige Fensteröffnungen sind zugemauert und die ehemals innen liegende Holztreppe ist verschwunden. Um den Zustand wieder nutzbar herzurichten, müssten umfängliche Renovierungen ausgeführt werden. Für die Sanierungsarbeiten sind in der Studie etwa 120.000 Mark veranschlagt worden. "Wir haben mit dem Konzept versucht herauszufinden, ob überhaupt die Möglichkeit besteht, eine Genehmigung zu erhalten", sagt Dieter Wulfes, Vorsitzender des Westerkappelner Vereins. Bei einer positiven Beurteilung hätten sie sich dafür eingesetzt, mit Sponsorenhilfe das Projekt zu realisieren, so Wulfes. Doch die Stellungnahmen der involvierten Behörden sprechen sich eindeutig gegen den "Sonnenturm" aus.

Die Untere Landschaftsbehörde befürchtet durch die erforderlichen Arbeiten, die "vermutlich überwiegend in der wärmeren Jahreszeit stattfinden", außergewöhnliche Störungen in dem Schutzgebiete. Weiterhin fördere die geschaffene Attraktion auchdas "wilde" Parken der Autofahrer, wenngleich die Zielgruppen in erster Linie Radfahrer und Wanderer seien. Die Ausstellungen seien in der Form an diesem Ort nicht erforderlich, heißt es in dem Schreiben weiter. Wenngleich der Turm durchaus erhaltenswert sei, ein Ausbau in der angedachten Form "erscheint aus Sicht des Naturschutzes auf Grund der Lage innerhalb eines Naturschutzgebietes nicht sinnvoll".

Das westfälische Amt für Denkmalpflege lehnte eine Eintragung des Flakturms in die Denkmalliste wegen der unzureichenden vorhandenen Bausubstanz ab. Dieser Auffassung schloss sich auch die Westerkappelner Verwaltung als untere Denkmalbehörde an. Auf Grund dieser drei Negativbeurteilungen lehnt dann auch das Umweltamt und Untere Landschaftsbehörde das Projekt ab. Zurzeit ist auch für Friedhelm Scheel dieses Stück Heimatkunde vom Tisch. Er habe dieses Projekt initiiert, um interessierten Jugendlichen und Erwachsenen Natur und Geschichte nahe zu bringen, meinte er enttäuscht über die Ablehnung. "Die Störung der Natur durch die Besucher ist minimal", sagte Scheel, das Gebäude hätte nur bei angekündigten Besichtigungen geöffnet werden müssen. Neben dem Turm befinde sich seit mehreren Jahrzehnten ein Wohnhaus, direkt vor dem Kriegsbau ein Maisfeld. "Schließlich ist auch jedes Auto eine Störung, das durch die Natur fährt", wandte Friedhelm Scheel ein.


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