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„Im Fußball sind zu viele linke Vögel“

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Herr Feiersinger . .

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Moment mal, auf der Alm sagt man Du.

Gerne. Ich heiße Stefan. Also Wolfgang, wenn ich das Leben hier oben auf der Alm so betrachte, dann muss man glauben, dass du vom Fußball die Nase voll hast.

Das stimmt, absolut. Die Entwicklung, die der Fußball genommen hat, gefällt mir nicht. Es dreht sich alles nur noch um das liebe Geld. Viele Mannschaften bestehen doch nur noch aus einer Ansammlung von Spielern aus der ganzen Welt. Wo sind die Spieler aus der Region? Den Fans fällt es schwer, sich damit zu identifizieren.

Diese Entwicklung gibt es aber schon seit einigen Jahren.

Ja, schon. Aber es sind mittlerweile zu viele Leute in diesem Geschäft tätig, die nicht nach meinem Geschmack sind. Zu viele linke Vögel, die das Sagen haben und ihr Unwesen treiben.

Beispiele?

Ich habe Beispiele genug erlebt. Namen will ich lieber nicht nennen.

Also lieber Fußball ade – und ein neues Leben als Hüttenwirt beginnen. Diesen radikalen Wechsel musst du erklären.

Wir waren immer schon viel in den Bergen unterwegs – zum Radfahren, Klettern oder Skifahren. Diese Hütte hier hat es uns angetan. Und als der Vorgänger Ferdl Weiß aufgehört hat, haben wir uns aus dem Bauch heraus dafür entschieden.

Ein gewagtes Bauchgefühl, oder?

Klar, man überlegt hin und her, rechnet und kalkuliert. Aber man muss es einfach probieren.

Und kann man davon leben?

Ich brauche nicht reich zu werden. Ich habe schon mal sehr viel Geld verdient. Nur das alleine macht dich auch nicht glücklich. Und so viel bleibt sicher übrig, dass wir unser Auskommen haben.

Deine Lebensgefährtin und du machen sonst nichts anderes?

Karin ist Teilzeit-Stewardess. Das heißt, sie ist circa neun Tage im Monat nicht hier auf der Alm. Da bin ich alleine. Deswegen sind wir derzeit auf der Suche nach einer Aushilfe für diese Zeiten. Alleine ist das hier oben schwer zu bewerkstelligen. Wenn du Lust hast, kann ich dich gerne einstellen.

Interessantes Angebot. Da spielt meine Familie derzeit aber nicht mit. Diese Personalie müssen wir an dieser Stelle noch unbesetzt lassen. Sprechen wir dafür über deine Speisekarte. Welche Spezialitäten bietet der „Feiersinger Wolfgang“?

Wir bieten Sachen an, die aus der Region kommen. Von der Niederalm unten kommt der Käse, vom einheimischen Metzger haben wir das Fleisch, die Würste und den Speck. Das Bier und die Schnäpse sind auch von hier.

Und du kochst auch selbst?

Wir teilen uns das.

Deine Spezialität?

Meine Spezialität sind die Kaspressknödel.

Lass uns noch mal über Fußball sprechen. Ernst Happel hat dich damals als „Mischung aus Spätentdeckung und verschlamptem Talent“ bezeichnet. Hättest du mehr aus dir machen können?

Das vom Happel habe ich nie nachvollziehen können. Von verschlampt kann keine Rede sein. Ich war immer ein absolut gradliniger Spieler, der immer ans Limit gegangen ist. Ich habe vieles erreicht, was man erreichen kann, im österreichischen Fußball sowieso. Ich gehöre von den Erfolgen und großen Spielen her zu den erfolgreichsten Spielern in Österreich. Die Champions League und den Weltpokal haben nicht viele gewonnen. Gerade die vier Jahre Dortmund – da geht nichts drüber.

Obwohl du es dort erst sehr schwer hattest. Das Dortmunder Vereinsmagazin hat dich damals zunächst mit einem Animateur im Ferienclub verglichen.

Da sieht man, wie oberflächlich man manchmal eingeschätzt wird. Gerade als Österreicher, der als Notnagel für den Matthias Sammer verpflichtet wurde. Die erste Zeit war schwierig, ich war in einigen Spielen der Sündenbock, dann habe ich mich freigeschwommen – vor allem in der Champions League.

Und dann kam der 28. Mai 1997: Ottmar Hitzfeld setzt dich beim Champions-League-Finale gegen Turin auf die Tribüne.

Den Tag werde ich nie vergessen. Das ist das Bitterste, was du als Sportler erleben kannst.

Wie hat Hitzfeld dir das beigebracht?

Du kannst das nicht verstehen. Er hat mir das mittags am Spieltag gesagt. Dass er mich nicht mal auf die Bank gesetzt hat – da bricht eine Welt zusammen, auch wenn es aus taktischen Gründen war. An dem Tag habe ich mich nicht über den Sieg freuen können.

Du hast trotzdem weiter für Dortmund gespielt.

Dann kam ja Nevio Scala. Für mich war das positiv, ich habe meine stärkste Saison gespielt, obwohl Scala in Dortmund einen sehr schweren Stand hatte. Danach kam Michael Skibbe, ein Trainerlehrling aus dem eigenen Nachwuchs. Und der verbannt dich beim ersten Spiel gleich auf die Ersatzbank. Ich hatte vorher eine Supersaison und eine tolle Weltmeisterschaft für Österreich gespielt. Skibbe war nur eine Marionette, das Sagen hatten andere. Der Lattek hat ja am Saisonende die Borussia vor dem Abstieg gerettet.

Kommen wir zu deiner Tochter Laura. Sie gilt als eines der größten Talente im österreichischen Frauenfußball.

Darauf bin ich total stolz. Ich habe der Laura nie das Fußballspielen gezeigt. Das ist alles von ihr gekommen. Wir sind dabei, dass wir im nächsten Jahr für sie vielleicht einen Verein in Deutschland finden.

Bei Bayern München spielt dein Neffe Kevin Feiersinger.

Das stimmt nicht.

Auf etlichen Internetseiten ist das aber zu lesen.

Kölns Manager Michael Meier hat mich auch schon mal nach diesem Kevin gefragt. Aber ich kenne keinen Neffen Kevin. Das ist Blödsinn.


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