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Schiedsrichter-Affäre: Kempter droht Karriere-Aus DFB unter Dauerdruck

Von dpa

dpa Frankfurt/Main. Glaubwürdigkeit, Reputation, Neutralität: Der Deutsche Fußball-Bund und sein zur Wiederwahl bereiter Präsident Theo Zwanziger stehen in der Schiedsrichter-Affäre um Manfred Amerell und Michael Kempter unter Dauerdruck. Kempter hat die Rote Karte bekommen und darf bis auf Weiteres selbst in der 3. Liga nicht mehr pfeifen. Dem jüngsten Bundesliga-Referee der Geschichte droht das vorzeitige Karriereende, und die Stolpersteine türmen sich in dem immer undurchsichtiger werdenden Fall auch für den DFB auf.

Die in der Präsidiumssitzung beschlossene Neuuntersuchung des Falles durch den Kontrollausschuss und die Schiedsrichter-Kommission müssen wie eine Ohrfeige für Zwanziger wirken. Für sein vermeintliches Missmanagement angeprangert, ist der 65 Jahre alte Jurist aus Altendiez als „Chefaufklärer“ inzwischen abgesetzt. Die Aufgabe übernimmt Vize-Präsident Hans-Dieter Drewitz.

Die Kehrtwendung unter dem Druck von Amerell kam mit einer schriftlichen Aufforderung seines Anwalts Jürgen Langer ins DFB-Haus. Jedes Mitglied des Präsidiums solle fristgemäß bis zum 2. August die Schadenersatzansprüche seines Mandanten Amerell „materiell und immateriell“ anerkennen, lautet die Forderung. Das DFB-Gremium lehnte die Anerkennung einstimmig ab. „Wenn in dieser Zeit nichts passiert, werden wir auch die Klage gegen den DFB einreichen“, stellte Langer klar.

Amerells einstigen Freund und heutigen Widersacher Kempter hat Langer bereits vor dem Landgericht Hechingen auf Schadenersatz in Höhe von 150000 Euro wegen übler Nachrede und Verleumdung verklagt.

Die nochmalige Aufarbeitung der angeblichen sexuellen Belästigung im DFB-Haus sollte auch Amerell die Chance geben, seine Sicht der Dinge darzustellen. Der ehemalige DFB-Funktionär trat am 12. Februar von allen Ämtern zurück und wurde deshalb nur einmal mit den Vorwürfen Kempters konfrontiert. Amerell sei „zu keiner Zeit das ihm zustehende rechtliche Gehör gewährt worden“, so Langer.

Von Kempter rücken die DFB-Funktionäre auch mehr und mehr ab. Der 27-Jährige, vor einem Jahr sogar noch auf der Liste des Weltverbandes FIFA, wurde zunächst in die Dritte Liga abgestuft und darf jetzt bis auf Weiteres gar nicht mehr pfeifen. Zwanziger hatte den Senkrechtstarter unter den Unparteiischen nicht zuletzt wegen des Schrittes, die angeblichen sexuellen Übergriffe seines einstigen Mentors Amerell öffentlich zu machen, im Frühjahr als gesellschaftliches Vorbild geadelt.

Vize-Präsident Rolf Hocke, der gleichzeitig auch den hessischen und süddeutschen Verband führt, zeigte sich überrascht, weil Kempter in Fandels Verantwortung für das Drittliga-Spitzenspiel Sandhausen gegen Offenbach am 31. Juli nominiert worden war, obwohl ihn das DFB-Präsidium noch gar nicht abgesegnet hatte.