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Handschlag von der Königin

Fast hätte Maxi (vorne) vergessen, der Königin die Blumen zu überreichen – sehr zum Vergnügen ihrer älteren Schwestern Philippa und Josephine. Vater Andreas Bernard begrüßte Silvia schon zum dritten Mal im Walhalla. Foto: Gert WestdörpFast hätte Maxi (vorne) vergessen, der Königin die Blumen zu überreichen – sehr zum Vergnügen ihrer älteren Schwestern Philippa und Josephine. Vater Andreas Bernard begrüßte Silvia schon zum dritten Mal im Walhalla. Foto: Gert Westdörp

„Das dauert noch“. Königin Silvia ist gerade erst vom Osnabrücker Hotel Walhalla abgefahren. Zeit genug, die wesentlichen Fragen vor einem Königinnenbesuch zu klären. Zum Beispiel: Knickst die Dame oder knickst sie nicht?

Bei Wasser und Kaffee plaudern sich die Gäste im Ratssaal, allen voran die Zeremonienmeister des Komitee Courage Gert Schöwing und Peter Doderer, Teilnehmer der anschließenden Podiumsdiskussion wie Prinz Asfa Wossen Asserate, Landrat Manfred Hugo, Bürgermeister Drago Jurak und andere auf den Besuch Ihrer Majestät ein.

„Noch acht Minuten“ heißt es plötzlich. Die Spannung steigt. Die Nervosität auch? „Nur ein bisschen“, sagt Jurak. „Wir möchten den Besuch ja auch genießen.“ Dann dringt von draußen Jubel ins Rathaus „Sie kommt, sie kommt.“

Königin Silvia betritt den Ratssaal, klein und zart, in einem silbergrauen Seidenkostüm, mit mehrreihiger Perlenkette und einem unglaublich sympathischen Lächeln. Sie wird mit Applaus und einem Gläschen Holunderblütensaft empfangen, denn Ihre Majestät trinkt keinen Alkohol. Und da man weiß, dass die Königin in ihrer schwedischen Knäckebrot-Heimat das deutsche Schwarzbrot vermisst, gibt es auch ein paar kleine Vollkornhäppchen.

Wer denn die schönen Kalligrafien für ihren Eintrag ins Goldene Buch gezeichnet habe, erkundigt sie sich. Es war Diakon Joseph Funke. Blatt für Blatt lässt sich Silvia auch den Kalender der Malschule Paletti zeigen, den sie neben einer Sophie-Charlotte-Medaille erhält. „Das Tier sieht aus wie eine Mischung zwischen Kamel und Strauß“, findet sie. Der ehemalige Bürgermeister Heiner Thyssen wird diesen Kalender später in die königliche Karosse tragen.

Ein Sicherheitsmann hält Silvia die Wagentür auf, sie schlüpft hinein. Peter Doderer ist auf dem kurzen Weg zum Schloss, wo die Königin den Courage-Preis entgegennehmen wird, ihr Beifahrer. Eine Position, um die ihn mancher beneidet haben dürfte. Ein Knicks war übrigens nicht vonnöten. Königin Silvia reichte jedem die Hand.

Ihre Natürlichkeit hatte die schwedische Monarchin zuvor bereits beim Einchecken in das Hotel Walhalla in Osnabrück gezeigt. „Ich hätte dich nicht wiedererkannt, und du mich sicher auch nicht“, sagte Königin Silvia zu Josephine. Die 13-jährige Tochter der Walhalla-Besitzer Tanja und Andreas Bernard hatte vor zwölf Jahren der schwedischen Königin auf dem Arm der Mama einen Blumenstrauß überreicht.

1997 hatte Silvia bei der Eröffnung der Ausstellung über Königin Christina ein Tageszimmer im Romantik-Hotel der Osnabrücker Altstadt. Auch ein Jahr später beim großen Jubiläum 350 Jahre Westfälischer Frieden machte sich die schwedische Hoheit wie andere gekrönte Häupter aus Spanien, Dänemark, Norwegen, Belgien und den Niederlanden im Walhalla frisch. Diesmal blieb Silvia eine Nacht in der neuen Suite des Hauses, nachdem sie in Bad Iburg mit dem Courage-Preis ausgezeichnet worden war. Die Rezeption war ab 14 Uhr Sicherheitsbereich. Eine Reisegruppe aus Südlohn wurde schnell auf ein Glas Prosecco ins Restaurant umgeleitet.

Gerne hätten die Besucher die Königin fotografiert. So mussten sie sich aber mit dem Gedanken trösten, eine Nacht unter dem selben Dach wie Silvia zu verbringen. Diesmal hatte die jüngste Bernard-Tochter Maximiliane (5) die ehrenvolle Aufgabe, der Königin einen kleinen Strauß aus gelben Rosen und blauen Hortensien zu überreichen – Schwedens Landesfarben. Etwas aufgeregt sei sie schon, gestand die Kleine vor der Ankunft. Die ganze Familie Bernard, zu der auch Tochter Philippa (10) gehört, stand zum Empfang bereit. Dann wurde die kesse Maxi doch etwas schüchtern. Königin Silvia ging zur Begrüßung freundlich in die Knie. „Ist der Strauß für mich?“, fragte sie. Erst da wurde sich Maxi wieder ihrer Aufgabe bewusst und streckte dem hohen Gast das Gebinde entgegen.

Mit einer halbstündigen Verspätung traf Silvia aus Düsseldorf ein. Baustellen verzögerten die Anfahrt trotz Polizeieskorte. In dem Fachwerkhaus Kleine Gildewart 11 bezog die Königin mit mehreren Koffern und Reisetaschen eine exklusive Suite über zwei Etagen. Das einzige weitere Zimmer in diesem Hotelbereich war für ihre Hofdame reserviert. Die Bernards hatten das 1616 erbaute Haus im vergangenen Jahr gekauft und für das Hotel renoviert. In der Suite hat vor kurzem auch die Schauspielerin Alexandra Maria Lara logiert.

Bevor die Königin nach Bad Iburg weiter fuhr, bestellte sie sich ein David-Sandwich, belegt mit Roastbeef und Lachs. Sonderwünsche für Übernachtung und das Frühstück am Samstagmorgen äußerte sie nicht. Heute wollte sie schon um 8 Uhr die Heimreise antreten.


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