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Die „Trostfrauen“ und ihre Peiniger

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Sie sollten Soldaten trösten: Zynisch beschrieb das japanische Militär den hunderttausendfachen Missbrauch von Frauen im Zweiten Weltkrieg (hier eine Momentaufnahme aus dem Film, der gestern in der FraSie sollten Soldaten trösten: Zynisch beschrieb das japanische Militär den hunderttausendfachen Missbrauch von Frauen im Zweiten Weltkrieg (hier eine Momentaufnahme aus dem Film, der gestern in der Fra

Es ist ein bisher kaum aufgearbeitetes Kapitel des Zweiten Weltkrieges, das heute Abend an der Volkshochschule beleuchtet wird: Jenes der „Ianfu“ – zu Deutsch etwa: Trostfrauen –, die von den japanischen Aggressoren ausgenutzt und gequält wurden. Gestern machte die erschütternde Multimedia-Präsentation bereits Station in der Franz-von-Assisi-Schule, heute Morgen sind die Referenten zu Gast im Osnabrücker Graf-Stauffenberg-Gymnasium.

Mit Ausbruch des Pazifik-Krieges im Jahre 1937 begann das japanische Militär, Mädchen und junge Frauen aus den besetzten Gebieten zu verschleppen. Als Zwangsprostituierte in Feldbordellen bestand ihre Aufgabe nun darin, den kaiserlichen Soldaten nach ihren Fronterfahrungen „Trost“ zu schenken – ein zynischer Euphemismus, hinter dem sich nichts anderes als die systematische Vergewaltigung von schätzungsweise rund 200000 Frauen während der Kriegsjahre verbirgt.

Der im Mittelpunkt der Präsentation stehende, 2008 entstandene Film „63 Years On“ zeichnet einige dieser Schicksale auf, zum Beispiel jenes der Chinesin Wei Shao La. Von japanischen Soldaten kurz nach ihrer Hochzeit verschleppt, wurde die damals 18-Jährige über Jahre mehrmals am Tag vergewaltigt. Das Kalkül der japanischen Militärführung hinter diesem Verbrechen: Zum einen boten die Feldbordelle die Möglichkeit, Aggressionen und Sexualität der Frontsoldaten zu kanalisieren. Willkürlichen Vergewaltigungen in den besetzten Gebieten wurde so vorgebeugt, nach außen hin konnten die Japaner als disziplinierte und sittliche Besatzer auftreten. Zum anderen ließen sich in den Bordellen hygienische Standards umsetzen, um den Ausbruch von Geschlechtskrankheiten zu verhüten. So erhielten Soldaten vor einem Besuch Kondome, gegen deren Gebrauch sie sich aber häufig entschieden.

Wei Shao La empfing von einem ihrer Peiniger einen Sohn. Das Kriegsende 1945 beendete nur ihren physischen Leidensweg, die seelischen Folgen machen ihr noch bis heute zu schaffen. Ähnliches schildern auch die anderen Frauen im Film: Einige kehrten nie wieder in ihre Heimat zurück, anderen gelang es, zumindest nach außen hin ein Leben im Schein der Normalität zu führen. Doch Verzweiflung und innere Leere begleiteten auch sie durch ihr Leben.

Das Schicksal der „Trostfrauen“ ist bis heute kaum aufgearbeitet: In den Opferstaaten galten sie lange als Schande, waren zum Schweigen verdammt – die japanische Regierung leugnet bis heute ihre Existenz und verzichtet auf jede Art offizieller Entschuldigung. Erst seit einiger Zeit beginnt die Öffentlichkeit, sich für die „Ianfu“ zu interessieren.

Zweiter Schwerpunkt neben dem Film ist eine Foto-Präsentation des Japaners Tsukasa Yajima, der von 2003 bis 2006 im „Haus des Teilens“, einer karitativen Einrichtung in Seoul für ehemalige „Trostfrauen“, lebte. Seine Porträts verleihen den anonymen Opfern Gesichter und Namen und zeigen Menschen, die sich trotz allem Stolz und Würde bewahrt haben.

Abgerundet wird die Veranstaltung durch einen Vortrag von Nataly Jung-Hwa Han, der Leiterin des Korea Kommunikations- und Forschungszentrums in Berlin, in dem gegenwärtige Entwicklungen rund um die öffentliche Wahrnehmung und Rehabilitation der „Trostfrauen“ erläutert werden. Die Präsentation findet im Rahmenprogramm der Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ im Remarque-Zentrum und in der Volkshochschule statt. Heute Abend in der VHS, 18 Uhr, Eintritt frei.


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